Beitrag 
Bibliophilie und Buchkultur.
Seite
183
Einzelbild herunterladen
 

183

und ihre beschränkte Zahl wird es gleich beim Erscheinen mit dem Charakter der Seltenheit ausgestattet und bekommt dadurch erst den rechten Sammler­wert. Als Gegenstand eines Luxusdruckes werden ebensogern klassische Werke wie moderne Dichtungen gewählt. Zum Festessen der Berliner Jahresversammlung der Gesellschaft der Bibliophilen 1921 wurde unter vielen anderen köstlichen bibliophilen Gaben auch ein Bändchen dargereicht, der numerierte Goethe" benannt, eine von Ludwig Sternaux bearbeitete Zusammenstellung sämtlicher Goethe-Privat- und Luxusdrucke. Das Ver­zeichnis führt 102 Nummern auf, darunter den Faust dreizehnmal und sehr bezeichnenderweise das Eroticon von 1810, das sogenannte Karls­bader Tagebuch, achtmal. Man kauft und liest solche Luxusdrucke nicht, um aus ihnen die Dichtungen kennen zu lernen, denn die kennt man längst, sondern um den Band in stillen Stunden vorzunehmen, sich in der Harmonie von Inhalt und äußerer Form zu erfreuen und die Dichtung in dem schönenGewande erneutauf sich wirken zu lassen und ihr.so immer wieder eine neue Seite des künstlerischen Genusses abzugewinnen. Auf diese Weise bekommt der Luxusdruck Leben und Berechtigung, und es strahlt von ihm ein segensreicher Einfluß aus, der der gesamten Buchkultur auch des billigen Gebrauchsbuches dauernd zugute kommt.

Die beiden Richtungen der Bibliophilie aber, die inhaltlich-wissen­schaftliche und die formal-moderne, fließen in der Gesellschaft der Bibliophilen und in den örtlichen Vereinigungen, unter denen die Leipziger an erster Stelle steht, zusammen. Sie finden ihren Ausdruck in den Ver­öffentlichungen, die diese Gesellschaften alljährlich oder in größeren Zwischenräumen ihren Mitgliedern darbieten. Ein' neben diesen Ver­einigungen bestehender vornehmer bibliophiler Kreis ist die einige Jahre vor dem Kriege begründete Maximilian-Gesellschaft, so benannt nach Kaiser Maximilian I., der in dem kostbaren Teuerdank den ersten deutschen Luxus­druck herstellen ließ. Es ist klar, daß der einzelne Bibliophile je nach seiner persönlichen Neigung vorwiegend nur die eine Seite Pflegen wird, aber die Bibliophilie würde sich auf Irrwegen befinden, wenn sie nicht beide Richtungen Pflegen wollte. Darin, daß sie es tut, liegt ihr ganz besonderer Reiz, und nur aus dieser Vielseitigkeit kann die belebende Wirkung auf das Geistesleben hervorgehen, die ihre vornehmste Aufgabe ist.

Was die Tschechen uns danken.

Von Dr. Heinrich Frenzel.

Das in hoher Kultur stehende schöne Land Böhmen ist eines der glän­zendsten Ergebnisse deutscher Arbeit, Bis auf weiteres bildet es nun den Hauptteil eines deutschfeindlichen Staates, der sichTschechoslowakei" nennt gewiß sehr sachgemäß, da die gewaltsam einverleibten Slowaken (gleich den 3^ Millionen deutscher Staatsangehörigen!) den Himmel täglich bitten, vom Tschechcnjoch erlöst zu werden. Einstweilen sind die tschechischen Zwangshcrrscher über eine der starken Mehrheit nach nichttschechische Bevölkerung bemüht, den Nachwuchs zurichtigen" Tschechen zu erziehen. In den staatlichen Lese­büchern der Tschechoslowakei wird den wehrlosen Kindern über die geschicht­lichen Vorgänge, die zum Weltkriege geführt haben, u. a. folgendes eingehämmert: