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Elsaß-lothringische Fragen : 2. Die elsässische Frage in sozialer Beleuchtung.
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So hat sich der Sozialismus im Elsaß des ursprünglich teilweise be­tonten Ideals des Selbstbestimmungsrechts in einem doppelten Sinne ent­äußert. Einerseits lehnen es die Nechtssozialisten von Anfang an ab. Anderseits' überspringen es die Kommunisten zugunsten einer völlig a-nationalen Weltbeglückunqsidee. Beide Flügel scheinen sich in blindem Doktrinarismus um ein naheliegendes und ergiebiges Prinzip bisher selbst betrügen zu wollen. Oder ist es nur der Gedanke einer höheren, nicht sozialistischen Macht, die ihnen beiden Muud und Hände bindet? Dann wäre die Möglichkeit, daß eine anzustrebende Schwächung der entgegen­stehenden nationalenBlockpolitik" sie einerseits beide wieder einander nähern und ihnen anderseits über die programmatische Abirrung von der Idee der Selbstbestimmung die Augen öffnen könnte.

Bibliophilie und VuchKulwr.

Von Karl K a u l f u ß-D i e s ch.

Die Kultur des Buches ist der Gradmesser für die gesamte geistige Kultur eines Landes. Ein Volk, dem das Buch nichts weiter ist als ein Gegenstand des praktischen Gebrauches, kann zwar hervorragende kaufmännische und technische Leistungen hervorbringen, aber seine Seele wird stets ein kümmerliches Pflänzchen bleiben. Wo aber das Buch des Menschen Freund ist, den man hegt und Pflegt und mit dem man in stillen Stunden Zwiesprache hält, da ist eine geistige Kultur vorhanden, deren Werte unverlierbar sind. In solchem Lande ist das Buch nicht nur ein Ding des Gebrauches, sondern auch ein Gegenstand des liebevollen Sammeleifers, wie man geschnittene Steine. Kupferstiche und Porzellane sammelt. So ist auch das Sinken der Buchkultur ein untrügliches Zeichen für das Sinken des Kulturstandes eines ehemals hochstehenden Volkes. Welcher Schatz von schönen Büchern ist aus Frankreich hervorgegangen! Noch heute gilt Frankreich als das klassische Land der Bibliophilie. Und wie steht es heute um das französische Buch? Papier, Druck und Aus­stattung sind durchweg schlechter als in Deutschland, auch kauft man in dem Lande, wo einstmals die bedeutendsten Kunstbuchbinder, Maioli und Grolier, wirkten, ganz im Gegensatz zu uns die Bücher meist ungebunden, ein Zeichen dafür, daß in Frankreich das Buch, einmal gelesen, viel leichter zum Untergang verurteilt ist als bei uns im Lande der Barbaren. Welcher deutsche Verlag dürfte es wagen, die deutschen Klassiker in solch scheußlichen, auf schlechtestem Papier mit schlechten Lettern gedruckten, von Flüchtig­keiten und Fehlern wimmelnden Ausgaben herauszubringen, wie es mit den Größen des französischen Schrifttums der Verlag Garnier Fröres in Paris getan hat, ein Verlag, der in früheren Zeiten, in den vierziger Jahren, Sachen herausbrachte, die das Entzücken jedes Bücherfreundes erregen? Welcher Verlag in Frankreich kann heute, was inneren Wert und äußere Schönheit seiner Darbietungen anbetrifft, mit dem Inselverlag, mit Eugen Diederichs, mit dem Prophläenverlag und vielen anderen verglichen werden? Neben dem schlechten Durchschnitt laufen dann einige hochwertige Erzeugnisse, mit denen derfranzösische Geist" in aller Welt eifrig Reklame macht.