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81 (1922) 81. Jahrgang.
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Die Grenzboten

Politik, Literatur und Kunst

81. Jahrgang, 27. Mai 1922 Nummer 20

Zusammenbruch und Wiederaufstieg vor hundert Jahren.

Eine Bonner Rede. Von Fritz Kern. I. ,

Drei Jahre nach dem Abschluß der napoleonischen Zeit ist Ernst Moritz Arndt, der Herold des Rheins, auf diesen für ihn gegründeten Katheder am Rhein berufen worden. Drei Jahre nach der Beendigung des Weltkrieges denken wir anders an Arndt und seine Zeit, als vor neun Jahren während des Jubiläumsbehagens von 1913.

Bis weithin zurück, vielleicht bis zu Arminius und Sogest, jedensalls aber bis in die Tage unserer Urgroßväter haben sich die Prospekte der Ge­schichte geösfnet, um uns nicht nur als Zuschauer, sondern sozusagen als Mitleidende und Mithandelnde wieder zu empfangen. Die Zeit Bismarcks war also nicht der Schlußakkord, in dem unsere alten Dissonanzen sich auf­lösten, kein Finale unserer Schmerzen und Fehler. Die Schicksalslinie des Deutschtums ist offen und unvollendet. In der Zeit der Urgroßväter sehen wir, um es mit einem Wort zu sagen, heute nicht mehr vor allem den Zusammenbruch und Wiederaufstieg Preußens, wir blicken nicht sowohl von Jena nach Leipzig, sondern wir erleben den Zufammenoruch des Deutschtums und seine Entwicklung von 1792 b^s, ja, man würde sagen, bis 1815, wenn nur nicht der nationale Entwicklungsgang 1815 unfertig und offen geblieben wäre. Die preußische Katastrophe von 1806 aber ist nur ein besonders dröhnender Fall m einer Folge von Nivderbrüchen des deutschen Volkes, die uns erst in ihrer G e s« m t - heit wirklich verständlich werden.

Lassen Sie mich sofort eine, Tatsache herausheben, die bei den Jubiläumsfeiern von 1913 bäum nebenbei gestreift worden ist, eine Tat­fache, die jenes ganze Zeitalter erhellt und die für uns heute unwillkürlich ,n den Mittelpunkt gerückt ist.

Ueber ein Dutzend Jahre lang, von etwa 1800 bis 1812, war es so ziemlich allen Deutschen eine ausgemachte Tatsache, daß das linke Rhein-