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Weltspiegel.
17, Mai.
Der Schluß der Konferenz und die allgemeine Lage. In Genua will nian vor allem zu Ende kommen, da man eine wesentliche sachliche Förderung wichtiger Fragen nicht mehr erwartet und die Notwendigkeit fühlt, allem, was sonst noch erledigt wenden kann, eine neue Form zu geben. Lloyd George glaubte anscheinend noch bis zuletzt, von Barthou eine gewisse äußerliche Nachgiebigkeit erwarten zu können, da dieser als unmittelbarer Zeuge der uuter den versammelten Delegierten herrschenden Stimmungen sich sehr viel zugänglicher zeigte als sein über Wolken der Unnahbarkeit thronender Vorgesetzter in Paris. Poin- cars aber durchkreuzte mit seiner ^ allerdings aus Rücksichten der Selberhaltung geübten — Hartnäckigkeit alle Erwartungen auf einen Sieg der Vernunft. So entschloß sich der englische Premierminister um so lieber, eine geeignete Form für den Schluß zu finden, als er glaubte, daß in England selbst eine Gefahr für' seine Stellung nicht mehr bestehe. Nach seiner Auffassung hatte er für die J>deen, auf die es ihm ankam, — Herstellung einer wirtschaftlichen Verständigung zwischen den Nationen, Ablehnung der imperialistischen Pläne Frankreichs, allgemeiner Burgfrieden als Einleitung einer allgemeinen Abrüstung, — eine genügende Mehrheit hinter sich,' die nunmehr nur abbröckeln konnte, wenn er die Dinge zu einem förmlichen Bruch mit Frankreich trieb. Denn der Durchschnittsengländer, der ma.n cm tks ström,, in seiner wachsenden Verstimmung gegen Frankreich als den Vater aller Hindernisse wünschte Wohl die Beseitigung der Hemmungen, die den englischen Interessen durch den offenbaren wirtschaftlichen Ruin ganz Europas bereitet wurden, aber keine Handlungen, die als „prodeutfch" gedeutet werden konnten. Als Poinccirs durch schroffe Gegenweisungen dem scheinbar weich werdenden Barthou aufs neue die Hände gebunden hatte, zögerte Lloyd George nicht, wieder eine seiner bekannton Schwenkungen nach der französischen Seite hin zu machen und die französischen Hauptforderungen anzunehmen. Poincars war also, wie es schien, der Sieger.
So sah es aus! Aber während die französische Eitelkeit sich des Erfolges ihrer Festigkeit und des VerHarrens auf ihrem Nechtsstandpunkt rühmte, konnten schärfere Beurteiler schwerlich unbeachtet lassen, daß England auf keinen wesentlichen Punkt seiner Pläne verzichtet hatte; die neue Umarmung der Enteutebrüder verhüllte nur schlecht die Tatsache, daß eine größere ,Zahl führender englischer Blätter nach wie vor ganz offen von dem tatsächlichen Ende der Entente redete, falls Frankreich auf dem von Poincars gewiesenen Wege bliebe. Frankreich und England vereinigten sich indessen in dem Vorschlag, im Haag nach einer Pause von wenigen Wochen, in denen Sachverständigenkommissionen beraten, über die russische Frage weiter zu verhandeln. Dabei hat Llohd George es verstanden, als Bedingung und Drum und Dran seiner eigenen Zugeständnisse die Idee des „provisorischen Burgfriedens" einzuschmuggeln, die ihm die Festhaltung und Fortführung seiner Pläne znr Beruhigung Europas gestattet. Frankreich sieht sich in Wahrheit auch sonst noch'vor denselben Hindernissen seiner Politik, die seine starke Gegnerschaft gegen die Genua-