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81 (1922) 81. Jahrgang.
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Die Grenzboten

Politik, Literatur und Kunst

81. Jahrgang, 13. Mai 1922 Nummer 18

Das Necht aufs WeiMutenlassen.

Von Dr- Georg E. Kunzer (München)-

Wie unheilvoll unsere Schulden an die Entente mit der Schuldfvage zusammenhängen, wurde von mir kurz, und wie ich glaube übersichtlich und überzeugend, in einem AufisatzKriegsschuld und Kriegsschulden" (im ersten Januarheft derGrenzboten") dargelegt. Neuerdings soll nun mit Rnthenau die deutsche Regierung endlich', endlich den Mut gesunden hoben, gegenüber der Entente/wenn''auch leider noch starkandcutnngs- weise" zu sagen, daß die Grundursache der Wirtschaftsnot die falsche Basis des Friedensvertrages und die übertriebenen Leistungen aus dem bewaffneten Frieden seien. Letzteres ist schon nicht mehr die Grundursache, fondern eine Folge aus der falschen Basis, der Schuldlüge, die anstelle der für beide Teile rechtsverbindlich gewordenen 14 Punkte Wilsous zur Grundlage des Vevsailler Diktats gewählt wurde.

Es ist nun von hohem Werte, daß aus den feindlichen Ländern in letzter Zeit wieder Kronzeugen gegen Versailles aufgetreten sind, ein Politiker und ehemaliger Staatsmann einerseits und einer der angesehensten Männer der Volkswirtschaft anderseits: Nitti und K eynes.

In seinem Aufsehen erregenden WerkDas friedloseEuropa" behandelt Nitti die Frage, wie die deutsche Entschädigungspflicht in so ungeheurem Ausmaße entstanden ist. Sozusagenbeiläufig", also nebenher, mehr zufällig sind die s ch w e r um e g e n d st e n Entscheidungen getroffen worden, wozu eben auch diese gehört.' Es war am 2. November 1918, als Clemenceau in den Waffeustillstandsverhandlungen er­wähnte:Man würde es bei uns, in Frankreich, nicht begreifen, wenn wir nicht in den Waffenstillstand eine entsprechende Klausel einfetzen würden. Worum ich Sie bitte, ist die Einfügung der drei Worte:Wieder­herstellung der Schäden" (K6ps.rs.tion 6os Äviriiva^es) ohne einen Kommentar". Als dann von Hymans, Sonuino, Bonar Law, Lloyd George ufw. Einwände gemacht wurden, da bat er, sich in den Geist der französifchen Bevölkerung zu versetzen.