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Weltspiegel.
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Weltspiegel.

3. Mai.

Krisis oder Versumpfung? Wann und wie die Konferenz von Genua, die noch immer das politische Interesse ausschließlich beherrscht, ausgehen wird, ist gegenwärtig noch unklarer als vor acht Tagen. Die meisten Ein­drücke, die uns von dort übermittelt werden, gehen dahin, das; eine gewisse Müdigkeit in den Verhandlungen Platz greift. Das ist kein Wunder. D^e Mitglieder der Delegationen und die Sachverständigen leisten reichliche, gründliche und schwierige Arbeit, und doch sehen sie, daß die politischen Hauptfragen, auf deren Erledigung man doch zum mindesten hoffte, nicht von der Stelle kommen. Es bleibt dabei, daß die Mehrzahl der Mächte unter der Führung Englands, unterstützt durch die Vermittlertätigkeit Italiens, alles daran setzt, ein positives Ergebnis der Konferenz herbei­zuführen, während Frankreich in Genua mit Hilfe der paar Getreuen, die ihre Orientierung in Paris suchen, eine offenbare Obstruktions- politik treibt. So hat sich die Eigenheit der Lage nachgerade immer deutlicher in einem Kampf zwischen Poincarö und Lloyd George ausgeprägt, der zu Zeiten schon sehr scharse Formen ange­nommen hat. Es ist aber in diesem Kampfe noch keine Entscheidung irgendwelcher Art eingetreten, und das bringt eine lange Dauer der Spannungen mit sich, die für die Arbeitsfreudigkeit der Kommissionen nicht von Vorteil ist und dem Ergebnis der Konferenz mehr Gefahr droht, als der anfangs so sehr gesürchtete Gegensatz zwischen Siegern und Be­siegten. Man ist zuerst vor einer Krisis besorgt gewesen, jetzt steigt die Gefahr der Versumpfung auf.

Llohd George erkennt darin mit Recht die stärkste Waffe, die Poincarv gegen ihn anwendet. Er brauchte die französische Politik an sich nicht zu fürchten, denn es kaun kein Zweifel bestehen, da'ß aus der Konferenz von Genua wenigstens die eine Frucht reifen wird: der Welt werden über Be­deutung und Wirkungen der französischen Politik die Augen geöffnet werden. Frankreich ist schon jetzt nicht mehr imstande, die andern Mächte über den Charakter seines Imperialismus zu täuschen, und daß es der Schädling und Friedensstörer der Welt ist, wird auch von vielen seiner früheren Freunde und Bewunderer erkannt. Dem englischen Premierminister ist aber mit dem Durchdringen dieser Meinung allein nicht gedient. Er muß, um angesichts der nicht länger hinauszu­schiebenden Neuwahlen im Vereinigten Königreich Herr der Lage zu bleiben und seine eigene politische Zukunft sicherzustellen, alles versuchen, um einen eindrucksvollen Erfolg von Genua mitzubringen. Poincarvs zähe und verbissene Obstruktionspolitik, die sich auf dieselben Grundlagen stützt, die Llohd George einst selbst anerkannt und an denen er mitgebaut hat, von denen er sich auch nicht ohne weiteres loslösen kann, erschwert einen sichtbaren Erfolg im Sinne des englischen Interesses ganz außer­ordentlich. Nun macht es ja der englischen Zähigkeit nichts aus, den . Kampf gegen solche Methoden aufzunehmen, und Lloyd George hat bereits sehr eindringlich zur Geduld ermahnt. Aber es ist ein Unterschied, ob ein leitender Staatsmann ein solches Ziel in der regelmäßigen Führung der Geschäfte seines Landes verfolgt, oder ob er dabei an eine so eigenartige Veranstaltung wie eine große internationale Wirtschaftskonferenz für die