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können. Während des ungesetzlichen Transportarbeiterausstandes hat der Verein seine Feuerprobe bestanden. Beachtenswert ist, daß die Organisation auch aus den Reihen der organisierten Arbeiter bedeutenden Zulauf gefunden hat. Auch Schweden besitzt seine Technische Nothilse. Die Vorläufer der heutigen Bewegung gehen bis zum Jahre 1909 zurück. Damals wütete in Schweden ein Generalstreik, der beinahe sämtliche Arbeiter, mit Ausnahme der Eisenbahner, umfaßte. In dieser Zeit gründeten einige beherzte Männer in Stockholm eine Vereinigung, die unter dem Namen „Schutzkorps" ging, und zur Ausgabe halte, unumgängliche notwendige Arbeiten auszuführen. Dieses Schutzkorps wurdc hauptsächlich von Beamten und studierenden jungen Leuten gebildet. Besonders in dem-scharfen Lohnkampf des Personals der Privachbahnen in Schweden im Jahre 1919 hat es sich gut bewährt. Bei einzelnen Bahnen kam man sogar soweit, daß man mehr Züge als vor dem Streik fahren konnte, um die angestauten Gütermengen befördern zu können.
Aber auch in den überseeischen Ländern hat die Technische Nothilfe oftmals schon die Gemüter beschäftigt. Beispiele hierfür liefern die großen Streikbewegungen der Eisenbahner in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Ein sprechendes Beispiel ist dem Schreiber dieser Zeilen aus Australien, dem Lande der sozialen Wunder, bekannt geworden. In Brisbane, im Staate Queensland, wollten 1912 die Angestellten der Straßenbahn der Arbeiterunion beitreten und als äußeres Zeichen des Beitritts ein bestimmtes Unionsabzeichen auf dem Arm tragen. Die Direktion, gestützt von der Regierung, sträubte sich. Da wurde ein großer Streik in Szene gesetzt. Erst streikten alle Straßenbahner, dann folgten die Transportarbeiter, Metallarbeiter, Maschinisten, Kohlenarbeiter u. a. m. Als Gegenmaßnahme der Regierung waren die Geschäfte tagelang geschlossen mid eine Art Nothilfe ins Leben gerufen. Sie bestand ans der Landbevölkerung, welche sich der Streikbewegung nicht anschloß. Durch Farmer, Bauernsöhne und Gehilfen w-urde die Polizei iu der Stadt verstärkt. Diese mit ihren Pferden verwachsenen wilden Reiter gingen rücksichtslos vor und bildeten eine Art Schrecken auf der Straße. Lebensmittel- und sonstige wichtige unaufschiebbare Transporte wurden von Schülern besorgt. Die Schulen waren zu dem Zweck geschlossen.
DerAnthrovosophische Hochschulkurs in Berlin
Ein Rückblick.
Von Paul Feldkeller, Schönwalde (Mark).
Die Anthr-oposophen hatten zu einem groß angelegten Hochschulkurs über Anthroposophie vom 5.—11. März nach der Singakademie geladen. Es wurde gezeigt, wie die neue Lehre fast alle Gebiete der Wissenschaft befruchtet: an je einem Tage wurden Physik und Medizin (außerdem Chemie), Philosophie und Pädagogik, Nationalökonomie, Theologie und Philologie behandelt: kurz man hätte dem Programm nach eine rein anthroposophische Universität etablieren können. In der Ausführung freilich haperte verschiedenes. Da waren die Znsammenhänge mit der Anthroposophie stellenweise recht locker, da wurden zu gewagte Behauptungen in der Aussprache ein gut Stück wieder zurückgenommen. Aber im großen ganzen soll man über den Irrtümern die einzelnen Wahrheiten