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Der deutsche Genera Ist ab drängte am 30. Juli, ehe Rußland zur Generalmobilisierung geschritten war, auf Krieg. Ergo: Nicht die russische GeneralmoblNfierung, sondern der Wille des deutschen G e n e ral st a b c s ist die Ursache des Krieges gewesen.
Daß der Generalstab zur Sicherheit des Landes in Anbetracht der seit dem 26. Juli offiziell einsetzenden russischen Kriegsvorbeitungsperiode auf die Notwendigkeit entsprechender Gegenmaßnahmen hinwies, war seine Pflicht. Wer also dem General vo« Moltke einen Vorwurf daraus machen will, daß er bei dem gemeinsamen Vortrage am 29. in Gegenwart des Kaisers die Frage der allgemetnen Mobilmachung angeschnitten hat, mit dem ist eine objektive Auseinandersetzung nicht möglich.
Auf Gegenvorstellungen des Reichskanzlers hin ist die allgemeine Mobilmachung am 29. aber vom Kaiser abgelehnt worden. Bei dem Vortrage am 30. ist der Generalstabschef auf "diese Frage nicht noch einmal Wrückgekommen.
Hier eben liegt der große Unterschied zwischen der deutschen und der russischen Stelle, die über Krieg und Frieden zu entscheiden hatte. Beide Generalstäbe, der russische wie-der deutsche, wiesen in Anbetracht der gespannten Politischen Lage auf die Notwendigkeit einer Mobilmachung hin. In Nußland gibt der Zar dem Drängen des Generalstabschefs nach und die allgemeine Mobilmachung, welche sich bei dem schwachen Monarchen schon gleichsam von selbst entwickelt hat, wird offiziell angeordnet. In Deutschland wird trotz der viel bedrohlicheren Lage, trotz russischer Kriegs- vorbereitungspcriode, trotz Teilmobilmachung von 13 russischen Armeekorps gegenüber nur 8 österreichischen Korps, die durch die Serben gebunden waren, mit der allgemeinen Mobilmachung noch volle 48 Stunden gewartet, d. h. bis zu einem Zeitpunkte, wo es ein Verbrechen gegen das deutsche Volk, besonders gegen die Ostpreußen gewesen wäre, wenn die Mobilmachung, die auf Grund der militärpolitischien Lage allerdings den Krieg bedeutete, nicht angeordnet worden wäre..
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Verumltungs-Neform und
Verrvaltungs-AKademie.
Von Ministerialrat Dr. Otto Jöhlinger, Studiendirektor der VerwalMngs-Akademie Berlin.
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In aller Stille und ohne Aufwendung von äußerem Pomp und Reklame ist im Jahre 1918 in Berlin eine Hochschule entstanden, deren Bedeutung weit größer ist, als man in der Öffentlichkeit ahnt. Denn in den fünf Semestern seit Bestehen der Verwaltungs-Akademie haben ntcht weniger als 7300 Hörer teilgenommen. Dabei handelt es sich bei der Verwaltunas-Akademie zu Berlin um eine Einrichtung, die mcht vom Staate herrührt, sondern um eine Anstalt, die. rein privater