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zeigte eine seltene Uebereinstimmung in der Verurteilung der srieden- störenden, gewalttätigen französischen Politik. Seit den Zeiten vor dem Kriege hat man in den englischen Blättern noch nicht so harte Worte gegen Frankreich gehört. Gewohnt, von Lloyd George ein schnelles Einlenken zu sehen, hatte Poincars offenbar die Tragweite der Worte des englischen Kollegen, der ziemlich unverblümt eine Kündigung der Entente bei' Fortsetzung der französischen Politik androhte, nicht richtig eingeschätzt. Er hielt, durch die Entwicklung der Dinge in Genua stark gereizt, im Vertrauen aus die Stimmung in seinem Lande in Bcir-le-Duc jene aufsehenerregende Rede, die aufs neue heftige Drohungen gegen Deutschiland richtete, zugleich aber auch nichts geringeres bedeutete als eine Drohung gegen den Frieden Europas und die sehnlichsten Wünsche aller Völker. Am ärgsten war die Erklärung, daß Frankreich allein militärisch vorgehen werde, wenn es sich von seinen Verbündeten nicht unterstützt sehe. Die Wirkung war eine ganz andere als die erwartete. In England erfolgte ein Ausbruch des Unwillens, nnd nicht nur die Neutralen, sondern auch Mächte der kleinen Entente rückten von Frankreich ab. Sogar Poincars mußte sich dazu verstehen, eine Erklärung abzugeben, die seme Rede stark abschwächte und die Ausführung seiner „Sanktionen" von manchen „Wenns" und „Abers" abhängig machte.
^n der nächsten Woche nähert sich die Konferenz von Genua voraussichtlich ihrem Ende. Dann wird man auch die znr Zeit noch schwebenden Probleme im Zusammenhang betrachten können. W. v. Mcisso w.
Vücherschau.
Neue Bücher aus Oesterreich,
Auch der Mißgnnstigte muß es heute zugeben: Oesterreich arbeitet. Unter den Hwierigsten Verhälktnissen, eingekapselt in einem Kurch und durch ungesunden, aufgezwungenen Zustand. Der völlige Zusammen»rnch des Kronenkurses wirkt als Exportprämie, wir sind — an den Weltmarktpreisen gemessen — das billigste Land der Welt. Solche valutarische Ueberlegungen mögen Wohl auch bei einigen neueren Verlagsgründungen hier mitgespielt haben. Denn das deutsche Buch wurde in Oesterreich durch den niederen Stand der Krone sehr teuer. Es lassen sich im Inland Bücher billiger herstellen. Schwieriger ist es allerdings für die neuen österreichischen Verleger, ihren Büchern auch den Absatz nach Deutschland zu öffnen. Denn vom österreichischen Markte allein kann kein Verleger leben, es erweist sich immer wieder, daß niemals ein österreichischer Verlag möglich ist, sondern stets nur ein deutscher, der aber Wohl hier seinen Sitz haben kann.
Ein großer neuer Verlag iu Wien ist der „Rikola-Vevlag", von dem schon eine Reihe von Veröffentlichungen vorliegen und der bereits einige gute Bücher herausgebracht hat.
Seiu mächtigstes Werk sei an erster Stelle angeführt: „Die Wiedergeburt des Melchior Dronte", ein Roman von Paul Busson.