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Weltspiegel.
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Weltspiegel.

Frankreichs Wege. Wieder einmal zeigt sich, wie blind der Haß macht. Selbst der ärgste Franzosenhasser wird gewiß nicht behaupten wollen, daß es Poincarü und seinen Leuten an politischem Verstand fehlt, und doch haben sie in Genua auffallend schlecht operiert und eine kurzsichtige und verblendete Politik getrieben. Ihren Fehler kann man als eine voll­ständige Vertennung der Weltstimmung und der Bedürfnisse der Welt bezeichnen. Sie wollten eben die Konferenz von Genua als eine weitere Station auf den: Leidenswege ihres Opfers Deutschland cm Versailles, Span, London und Cannes anreiheil und sahen nichts anderes, als was ihr von Haß und Vorurteil erfüllter Blick als eine Gelegenheit zur Be­raubung, Zerstückelung und Erniedrigung Deutschlands gewahrte. Darüber war es ihnen entgangen, daß die übrige Welt allmählich aus derartigen Gedankenkreisen herausgeglitten war, weil die wirtschaftliche Not sie zwang, sich in nüchternen! Denken klar zn machen, woran es eigentlich fehlte und welche Zusammenhänge bei allen diesen Schwierigkeiten obwalteten. Frankreich hatte bekanntlich schon bei dem Austauchen des Konferenzplanes die Absicht gehabt, dieses Wasser entweder auf die eigene Mühle zu leiten, oder es ganz abzusperren. Je mehr es sich herausstellte, daß die Wünsche der meisten Weltstaaten daraus gerichtet waren, einen wirklichen Friedens- zustano und eine Gesundung der wirtschaftlichen Verhältnisse herbei­zuführen, desto mehr war Frankreich bestrebt, dem Zustandekommen und dem ungehinderten Verlauf der Konferenz Hindernisse zn bereiten.

Dieser Wunsch schien sich zu erfüllen, als der Vertrag von Rapallo zwischen Deutschland und Svwjetrußland abgeschlossen wurde. Unsern letzten Weltspiegel mußten wir in der vorigen Woche gerade in dem Augen­blick beenden, als die Entscheidung noch nach verschiedenen Seiten hin offen War. Schnell genug hat sich die Lage geklärt. Auch in dem Zeit­raum, als diese Frage schwebte, sah Frankreich seine Aufgabe darin, die Dinge zu einer Krisis zu treiben, während Lloyd Georges Haltung schwer zu übersehen war. Sein Auftreten ließ ja zuerst vermuten, daß er sich in weitestem Maße der französischen Auffassung anschließen wolle; sreilich gebot die Vorsicht, über die ersten Aeußerungen des leidenschaftlichen, temperamentvollen Mannes nicht allzn schnell zu urteilen. Denn die erste kühlere Minute, die zu einer Nachprüfnng des deutsch-russischen Vertrages aufforderte und die Gründe der Franzosen richtig erkennen ließ, mußte dem englischen Premierminister zeigen, daß die Rücksicht auf das englische Interesse und die englische öffentliche Meinung eine andere Taktik anriet. Und fo erlebten die Franzosen in einer weiteren unangenehmen Erfahrung, daß sie sich umsonst über Lloyd Georges kräftige, anscheinend in ihrem Sinne gehaltene Reden gefreut hatten. Sie bereuten es nun, sich deshalb selbst einer gewissen Zurückhaltung befleißigt zu haben. Ferner hatten sie anscheinend darauf gerechnet, daß die deutsche Delegation sich, wie es die Welt nachgerade gewohnt war, nachgiebig zeigen und leicht eiuzuschüchteru sein werde. Es war die größte Ueberrcischung für die Entente, daß es anders kam. Die deutsche Abordnung ließ sich in der Wahrnehmung ihres guten Rechts, das mit Existenzfragen Deutschlands zusammenhing, nicht beirren. Bis dahin waren die alliierten Regierungen daran gewöhnt, jede willkürliche Erweiterung der in: Versailler Vertrag festgesetzten Befugnisse