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strittige, aber jedensalls gesteigerte Potenz ist, ist im anderen Falle gesteigerte Impotenz, das charakteristische Merkmal unseres heutigen sogenannten Seelenlebens. Auch hierüber sollte man sich endlich wieder klar werden, auch hier ist man auf der Schwelle zum Tempel des Eros in den Nerven hängen geblieben und nennt die Nervensexualität dekadenter Schwächlinge mit dem stolzen Namen der Erotik, ein abscheulicher Witz der Kulturgeschichte, der freilich keine Komik, wohl aber eine geradezu grauenhafte Tragik in sich schließt.
Wäre nun in dieser Zeitkunst alles falsch und schlecht, so lohnte es nicht, darüber zu schreiben, sie würde bald in sich zusammenfallen. Aber gerade, weil sie Verlorenes sucht, weil sie die Sterne sucht und vorerst nur die Nacht zu schauen fähig ist, muß man sich mit ihr auseinandersetzen, muß man sie so werten, daß sie Wog werden kann, nicht Irrweg bleibt für Tausende. Sie hat Werte, die anziehend wirken müssen für alle, die Geistiges suchen nach dem Materialismus der vergangenen Jahrzehnte, aber man muß sie einschätzen lernen als das, was sie ist, muß lernen, ihre Halbwerte und Scheinwerte nicht als Vollwerte zn nehmen. Man mutz auch der Zeitströmung entsprechend durchaus mit einer Zunahme dieser Art von künstlerischer Produktion rechnen, die kläreich wirken bann, wenn sie als Schwellenknnst betrachtet wird, und die in einen Irrgarten von unseelischer Sexualität und Scheinmystik führen wird, wenn sie als Kunst gewertet wird. Alle diese Kunstschöpfungen sind weit mehr interessante Zeitdokumente als Kunstwerke, mehr Werkstatt künstlerischen Schaffens, als Werk — sind nicht Tempelkunst, sondern Schwellenkunst.
Um so wichtiger ist es, sie weder einseitig abzulehnen, denn sie ist Zeichen unserer Zeit, noch sie einseitig begeistert als das darzustellen, was sie nicht ist nnd nie sein kann ihrer ganzen Wesensart nach. Den unwissenden Bewunderern muß man deutlich sagen, daß sie eine Illusion bejubeln, daß diese Mystik keine Mystik ist, daß der Weg zu wirklich mystischem Erleben noch heute so schwer ist, als zu Zeiten des Franziskus von Assisi, und das sie nicht zu erlangen ist ans den: bequemen Wege, einen Roman zu dnrchfliegen oder sich ein Zauberstück anzusehen. Den Gegnern dieser Dichter und Maler aber muß man entgegenhalten, daß sie über der Hohlheit der mit mystischen Gewändern ausgeputzten Götzen nicht vergessen- sollen, daß jene Schaffenden ein achtungswertes Können besitzen, daß sie suchten, auch weun sie nicht fanden. Viele suchen heute und finden nicht, aber es ist immer noch besser, als gar nicht zu suchen. Daß dieses Suchen oft nur ein Suchen nach Effekten und Sensationen wird, ist wahr, aber auch das ist kein Grund, das ehrliche Suchen zu übersehen, das unter Flitter und Schminke vorhanden ist. Es ist alles Evolution und von rein naturalistischer Erdenkuust zur Schwellenlkunst ist trotz allcr üblen Bögleiterscheinm-Mn der Gegenwart schon ein Aufstieg.
Gruß aus Köln.
Von Max Spanier.
Ihr deutschen Brüder vom Osten und von der Mark, wenn ihr in diesem Sommer wieder Erholung sucht, kommt einmail an den Rhein! Gewiß, wir können auch keine Festspiele und keine Strandbäder bieten, aber habt ihr Nibelungenzauber nnd Rheinstrom vergessen? Haben Krieg und Leidensjahre die Romantik aus eurer Seele gerissen, vermißt ihr nicht das fröhliche Land,