- 34 -
abhängigen Stellen sich eine neue Metaphysik zu bilden beginnt. Mit Recht konnte das temperamentvolle Buch von P. Wust von einer „Auferstehung der Metaphysik" reden (F. Mauer 1919). Ja, man hat sogar ein ganz eigenes metaphysisches Prinzip gefunden, das in früheren Zeiten seltsamerweise kaum beachtet worden ist: das Leben. In den beiden, ihrer Zeit vorauseilenden großen Denkern Nietzsche und Ed. v. Hartmann zwar war diese Tendenz vorgebildet, sie hat jedoch neuerdings bei an sich so verschiedenen Geistern wie Bergson, Dilthey, Simmel, Driesch und zahlreichen andern mannigfachste Ausgestaltung gefunden, die — so unterschieden, ja feindlich sie sich im einzelnen zueinander stellen — doch in dem Grundprinzip, eben dem Glauben, das; im „Leben" sich der Schlüssel zu den tieferen Problemen finden lasse, einig sind. Dies „Leben", das man früher vorwiegend mechanistisch zu deuten suchte, gibt aber den zusammenfassenden Begriff, der alles das vereinigt, was wir als kennzeichnend für das Wesen der gegenwärtigen Geistesströmung fanden: gewiß rst es nicht rational faßbar, nicht „positiv" zu beschreiben, aber gerade seine Irrationalität wird hier zum positiven Charakter. Es ist auch nicht unpersönlich, wie die meisten naturwissenschaftlich orientierten oder an Kant anknüpfenden Systeme, sondern es setzt den Begriff der Persönlichkeit überall als wesentlichen Faktor in die Rechnung ein. Vor allem aber wird es nicht bloß als physisches, sondern als metaphysisches System begriffen, als das mit dem Verstände nie restlos saßbare, mit keinen mathematischen Formen und Gesetzen zu berahmende Wesen der Welt, das wir nur als n»,t>ura, naturata sinnhaft oder begrifflich erHaschen können, hinter deren Erscheinungen wir jedoch als natura nawrxms ein schöpferisches Agens annehmen müssen von übermenschlicher Größe, für die sich gelegentlich wieder der Name „Gott" einstellt.
Und in diesem Sinne, insofern als wir im „Leben" ein in allen Bestrebungen der Gegenwart wirksames schöpferisches, persönliches, metaphysisches Prinzip als tieferes Agens erkennen können, ist es trotz aller Verschiedenheit im einzelnen möglich, von einem einheitlichen Weltbild der Gegenwart zu reden.
Schwellenkunst.
Von Manfred Khber.
Immer wieder Wucht im heutigen Kunstleben der lange vevloren geglaubte Einschlag der Mystik auf. weite Kreise ereisern sich «dafür oder dagegen und es dürfte vielleicht angebracht sein, einige beruhigende Worte zu dieser Frage beizutragen. Ich selbst erkenne in der Kunst keine „Richtungen", sondern nur Persönlichkeiten an — nur Schassende von absoluter Gigenpräguug sind für mich von tieferem Interesse, alles, was auf Richtungen schwört oder sich ihnen ankoppelt, ist künstlerisch zweite Garnitur, zu schwach, um auf eigenen Füßen zu stehen. Sachlich aber halben wir uns ganz durchaus mit diesen Richtungen und ihren mehr oder minder begabten Vertretern auseinanderzusetzen, sie sind Zeiterscheinungen und Wen oft stärkeren Einfluß auf das Leben der Gegenwart, als die einsamen Schassenden, die, aller Mode fern, ans ihrer Zeit