Beitrag 
Weltspiegel.
Seite
18
Einzelbild herunterladen
 

13

Weltspiegel.

Die Konferenz von Genua. Wenn man am Tage der Eröffnung der großen Weltwirtschaftskonferenz in Genua auf die Anfänge dieses Ge­dankens zurückblickt, auf die ersten Begrüßungen und Ablehnungen, die diesen Vorschlägen zuteil wurden, dann muß man sagen: die Sache hat sich eigentlich recht einfach und geradlinig entwickelt. Selbstverständlich sind sehr verschiedenartige Urteile darüber laut geworben. In der Presse aller Länder schwankte das Stimmungsbarometer hin und her, und es ist auch vorgekommen, daß hin und wieder mit der Miene des besonderen Gingeweihtseins versichert wurde: die Konferenz kommt überhaupt gar nicht zu stände. Das war nicht nur leeres Gerede, sondern die Aeußerung einer in ihrer Sphäre durchaus begründeten Ueberzeugung. Aber am letzten Ende hat doch keine Macht gewagt, ernsthafte Schritte zu tun, um es wirklich dahin zu bringen, daß die große Anregung wie eine Seifen­blase zerplatzte. Frankreich, das diesem Standpunkt von allen Mächten am nächsten gewesen ist, hat sich dennoch gehütet, über einen bestimmt abgemessenen Grad der Betonung feiner Sonderauffasfung hinauszugehen.

Bei uns in Deutschland war die Stimmung in weiten Kreisen, die den politischen Dingen nicht allzu tief auf den Grund zu gehen Pflegen, geneigt, die Genua-Konferenz für eine neue in der Reihe der Ver­anstaltungen zu hakten, die dazu bestimmt zu fein scheinen, die Herrfchaft der Entente in Europa auf Grund des Versmller Vertrages weiter aus­zubauen. Frankreich und >die Mächte, die sich daran anlehnten, waren allerdings von Anfang an bemüht, diesen Gedanken aufrechtzuerhalten. Aber schon setzte eine andere Strömung ein, die nicht mehr ganz zurück­zuhalten war und unmittelbar aus dem Bedürfnis entsprang, endlich wieder normale und entwicklungsfähige wirtschaftliche Verhältnisse her­zustellen. Und so tauchte der Wunsch auf, es möchten nicht nur die Gerichtsvollzieher des Friedensvertrages, sondern alle wirtschaftlich interessierten Mächte sich auf einer Konferenz darüber aussvrechen, wie die von Siegern, Besiegten und Neutralen gleichmäßig als unerträglich empfundene wirtschaftliche Lage der Gefundung entgegengeführt werden könne. Es war ein Verlangen, das aus der allgemeinen Not entsprang, nicht durch die Ausführung der Friedensbestimmungen hervorgerufen wurde. Aber eben deshalb stand es in einem inneren Zusammenhange mit den natürlichen Gegenwirkungen, die der Versailler Vertrag aus­gelöst hatte, und bedeutete den ersten elementaren Widerspruch Europas gegen den Geist von Versailles. Außerhalb Deutschlands vermied man es offen auszufprechen, aber jedermann sühlte und wußte, daß ohne Um­kehr auf dem Wege, den die Sieger des Weltkrieges in Versailles ein­geschlagen hatten, alle Länder schweren wirtschaftlichen' Gefahren, wenn nicht dem Ruin entgegeneilten.

Auch Frankreich sah diesen Zusammenhang, aber es glaubte in seiner Besonderheit, im Interesse seiner Machtpolitik noch geraume Zeit an dem Ruin Deutschlands weiter arbeiten zu können. Während England im eigensten Interesse seines auf ungestörtem Handel und regelrechter Wirt­schaft ruhenden Weltreichs sich zum Fürsprecher des gefährdeten Wirt­schaftslebens der Völker machte, erkannte Frankreich darin die Gefährdung seiner Pläne, die es mit unerschütterlicher Zähigkeit festhalten wollte. Es