Herbert Eulenberg
germanischen Barbarien nicht unerträglicher als anderswo. Ein Messias pflegt es überall nicht gut zu haben. Und den Deutschen ergeht es auf den meisten Gebieten nicht anders als den Juden: Sie warten noch immer auf einen solchen Messias, wenn er längst schon wie ein Komet und Weltenneuerer vorübergezogen ist. „Also hiergeblieben!" resignierte Lessing und kuöpfte seinen grauen Tuchmantel fest, den er sich vou den Talern zugelegt hatte, die ihm für seine Rechtskonsulententätigkeit ausbezahlt waren, die er recht uud schlecht neben seiuer optinnz gelieferten dramaturgischen Leistungen ausgeführt hatte.
Da fegte ihm eine Bö, die tückisch wie der Angriff eines Klotz oder eines andern seiner beständig nörgelnden Kritikaster von der Seite kam, seineu flachen Hut vom Schädel. Und zwar gleich so heftig, daß der Chapeau mitten ius Alster- beckeu geriet, zum Erschrecken eines einsamen Schwanes, der sich verspätet hatte und nun dem jenseitigen Ufer zuruderte. An ein Netten der Kopfbedeckung war bei der hcrabsinkenden Dunkelheit nicht mehr zn denken. So tröstete sich denn Lessing auch über diesen Verlust mit dem Gedanken: „Besser den Hut einbüßen als seine ganze Hoffnung!" Und dann rief der Fabeldichter, der nach dieser Hamburger Zeit der deutschen Bühne noch zwei gewichtige Stücke „Emilia Galotti" und „Nathan den Weisen" schenken sollte, dem kreisenden Schwan, in dem er die Bühnenkunst verkörpert sah, durch den Abend zu: „Vogel Apollos! Nimm jenen bürgerlichen Hut, mit dein ich mich hier im Norden an Stelle des Lorbeers schmücken muß, den die Dichter des SüdeuS als Kranz um ihre Schläfen tragen, nimm ihn als Zeichen meiner Huldigung an! Du hast mir mein karges, hartes Leben vergüldet. Die Kreise, die du in die grane Flut meines Daseius zogst, haben mich beseligt und mich über mich und meine leider nnr dürftige Begabung hinausgetragen. Und wenn es zuweilen auch aus mir kastalisch geklungen hat, so danke ich es der Berührung mit der Bühne und ihrer Kunst. Und ich lege meine Diamanten, die sie geschliffen hat, ihr, der Bühne, voll Ehrerbietung zu Füßen, wie ich die Krone meines Kopfes dir zuwehen ließ!"
Gin Lutherwort
Kein Leiden oder Gedränge und Tod kann überwunden werden mit Ungeduld, Flucht und Trost suchen, sondern allein damit, daß man fest stillsteht und ausharrt, ja dem UnglM und Tod kühn entgegengeht. Denn wahr ist das Sprichwort: „Wer sich vor der Hölle fürchtet, der fährt hinein." Ebenso, wer sich vor Leiden fürchtet, der wird überwunden. Furcht tut nichts Gutes. Darum muß mau frei und mutig in allen Dingen sein und feststehen!
Niemand lasse den Glauben daran fahren, daß Gott durch ihn eine große Tat tun will. Dieser Glaube vermag alles und besteht allein.
Wenn ein Land oder gewaltige Stadt nur einen trefflichen, wunder und geschickten Mann Hütte, so gingen alle Ratschläge und Decreta besser fort; ws aber keiner uicht ist, da gehet's alles hinter sich, wie der Krebs kreucht, ob ihrer wohl viel sind, die da regieren und raten.
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