„Der Trommler"
„Der Trommler" Lyrik aus einem Schauspie! des großen Krieges
von Uraft Willfroh
Aktiver Reichswehroffizier Als Manuskript gedruckt. Alle Rechte, auch da? der Vertonung, vorbehalten.
I.
Eine Straße mit niedrigen Bäumen, an einein Kirchhof, der zur Linken liegt, vorbeifahrend. Man erkennt weihe Kreuze und die Gestalt eines die Arme breitenden Christus. ES ist Nacht.
Man steht eine Infanteriekolonne von rechts nach links dahinziehen. Gegen einen matthellen Himmel heben sich die Gestalten gigantisch ab. Aus der Ferne ist dumpfes Donnern vernehmbar; am Horizont ab und zu ein Aufleuchten.
1. Infanterist (in langsamem, einem müden Schritte angepaßten Tonfall):
Wohin geht der Marsch durch die dunkle Nacht?
Wohin? Saget anl Der leuchtende Ball gab uns schon das Geleit.
Das Letzte? Wer weiß? Wann blasset's im sternenden Himmelszelt?
Zählt: Wann ist wann? Die brennenden Augen lechzen nach Licht.
Nach Sonnenweiß.
2. Infanterist:
Unendlich lang dünkt die nächtliche Straße.
Ihr Ziel? Wer kennt's? Wie weit aber ist jener endliche Weg?
In das All? Unser Muß! Der Wille allein noch zwingt totmüde Körper.
Welch Wollen? Wer nennt's? Wo finden wir Ruhe und ewigen Frieden?
Halt sucht der Fuß.
Der junge Soldat: Deinen Arm, Kameradi Weiß leuchten die Kreuze, fern donnert die Schlachi. Ich liebe das Leben, den Frühling, die Heimat — hier haucht mich der Tod. Ein Kind noch gestern und heute schon Mann sein — mich fürchtet die Nacht. Es klopft mir das Herz, es wallt mir das Blut:
Hilf, Vater — Gott!
Der alte Soldat: So bleib mir zur Seite und blicke auf mich: Ich will Führer dir sein. Wie viele geleitet' ich schon an den Tod! — Ihn kennen macht stark. Auch du wirst noch sehnen die pfeifende Kugel, sie trümmert den Schein. Ich liebe den Krieg und die wahren Männer:
Verachten gibt Mark!
Die Infanterie (im Chor — vorn setzen Trommeln und Pfeifen ein):
In Reihen zu vier, mit dem Blick in die Sterne, das Schicksal zu lesen, Geschweißt durch rot Blut und tagtägliche Müh' zu untrennlicher Einheit, In rauh-grauer Schale das Wahre verbergend, das menschliche Wesen, So zieh'n wir dahin, wir alte Soldaten, als Künder der Reinheit.
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