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Krieg und politisches Bekenntnis
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Krieg und politisches Bekenntnis

Arieg und politisches Bekenntnis

von Dr. vocksl Im Generalsekretariat der Jentrumspartei

Ä^ährend des großen Erlebnisses des Weltkrieges haben wir Frontsoldaten mündlich und schriftlich unser Denken und Wollen in Worte gekleidet. Es war ein Denken und Wollen ohne System, dafür aber um so natürlicher und fester. Es war ein Denken und Wollen, das uns in der Blüte unserer Jugend gewaltig gepackt, das unserer Jugend einen unerschöpflichen Inhalt gegeben hat, das uns Zeit unseres Lebens begleiten wird und unserem Wollen und Handeln Richtung gibt.

Der Krieg ist die Fortführung der Politik mit anderen Mitteln. Jeder von uns, der einen Teil der Front hütete, hatte die hohe, politische Aufgabe, die Grenzen seines Vaterlandes, Haus und Herd daheim zu schützen. Dieser Gedanke hämmerte uns immer wieder ein tiefes Verantwortungsgefühl ein; nur die glühendste Vaterlandsliebe machte uns fest und hielt uns in Einig­keil zusammen. Selbstlos haben wir unsere Pflicht getan. Starken und mutigen Führern folgten wir gern und entschlossen.

Verantwortungsgefühl. Jeder Frontsoldat war innerlich durch­drungen von der Verantwortung, die er hatte, wenn er auf Posten stand, wenn er eine Patrouille führte. Dieses starke Verantwortungsgefühl lebt weiter. Ich fühle es nicht nur bei der Erfüllung meiner Berufsaufgaben, ich fühle es ebenso stark als Glied meines Volkes bei der Erfüllung meiner Bürgerpflichten, ich fühle mich als Glied der Gemeinschaft des deutschen Volkes.

Wenn es der preußischeMilitarismus" verstanden hat, dieses Verant­wortungsgefühl im einzelnen zu festigen, so ist das sein überragendes Verdienst, das auch durch alle Schmähungen nicht vermindert werden kann. Die allgemeine Dienstpflicht ist beseitigt.nichts ist bisher an ihre Stelle getreten, das gleichen erzieherischen Wert hat.

Vaterlandsliebe. Die glühende Liebe zu Volk und Vaterland ist nicht erloschen, als wir die Front verlassen mußten. Ich fasse allerdings die Vaterlandsliebe nicht so auf, daß sie in der Verehrung einzelner Personen oder eines Regierungssystems gipfelt. Für mich ist die Vaterlandsliebe etwas Höheres. Ich liebe daS deutsche Land, ich liebe die Volksgenossen der deutschen Zunge. Ich liebe nicht die Vaterlandsliebe, die mit äußeren Ehrungen, die mit Orden gelohnt wird; ich liebe nicht die Vaterlandsliebe, die nur den Parteistandpunkt als wahr­haft deutsch und national gelten läßt.

In meiner Kompagnie kämpften drei Viertel Unteroffiziere und Mann­schaften, die Sozialdemokraten waren. Alle waren sie brave und tapfere Kämpfer, aber diese drei Viertel waren mir besonders lieb und wert, weil auch ich mit der vorgefaßten Idee dank der Lehrmeinung derhöheren" Schule und dank der bürgerlichen" öffentlichen Meinung angefüllt gewesen war, daß ein Sozialist für sein Vaterland nichts tun könne. Allen, die an der Vaterlandsliebe nur ihrer Bildungsschicht oder nur ihrer Parteiangehörigen glauben, empfehle ich, im nächsten Kriege den Gott verhüten möge sich etwas weiter nach vorn an die Front zu wagen.

Einigkeit. In der Verantwortung und der Vaterlandsliebe war die Front einig. Diese Einigkeit ließ uns schier Unmögliches vollbringen.

Soll unser unglückliches Volk die Einigkeit nicht wiederfinden? Das ist die Frage, die uns quält. Soll der deutsche Frontgeist nicht wieder in unserem Volke lebendig werden?

Die Uneinigkeit wird von einigen wenigen im Volke geschürt. Sie wird geschürt von Buch- und Artikelschreibern, die scheinbar während des Krieges zu

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