Walter Jdem
Erleben des Todes
von Walter Jdem I.
^s war im Jahre 1916 vor Baranowitschi zur Zeit der großen Angriffe Brussilows, als ich Erleben von Schlacht und Schlachtfeld so zusammenfaßte und formte, daß es knappe Bezeichnung, tiefster Ausdruck meines Kriegserlebnisses schlechthin wurde. Darum möge das damals entstandene Gedicht gleichsam präludierend hier zu Anfang stehen:
Spreizbeiniger Himmel, darunter Schlachtfeld ohne Ende. Ein gelber Urwald wächst am Bauch der Erde. Spreizbeiniger Himmel, darunter Schlachtfeld ohne Ende.
Erde ist Erde feind geworden.
Blut wallt gegen Blut.
Erde ist Erde feind geworden.
Ich darf töten, ich soll töten, ich muß töten. Tausend Fontänen spritzen zum Himmel Blut. Ich darf töten, ich soll töten, ich muß töten.
Mein Leib ist im ChaoS aufgehängt,
Wie die Schützenscheibe zum herbstlichen Volksfest schwebt.
Tausendmal täglich leb ich den Tod.
Wann werd ich, Tod. dich sterben?
Mein Leib ist im Chaos aufgehängt.
Ich lebe sterbend. Ich sterbe lebend, Ich bin im Bunde mit Gott.
Alles ist Leben in Gott: Tod, Sünde. Freude, Trauer, Tugend.
Überall leuchtet die Lampe der Ewigkeit.
Meine Angst, meine Hoffnung. Verzweiflung, Erhebung
Sind Linien der ewigen gütgen Hand Gottes.
O, furchtbare, dunkel vermessene Schlachtl
Spreizbeiniger Himmel, darunter Schlachtfeld ohne Ende.
II.
Ja, er ist das unheimliche Geheimnis des Krieges, der Tod.
Gewiß, es ist nicht viel, worin wir miteinander übereinstimmen, wir Millionen, die draußen gekämpft haben, Deutsche, Franzosen, Russen. Engländer, Neger, Japaner usw., wir Millionen jedes Volks tausendfach, millionenfach wieder in
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