G e o g r a p h i s ch e Entnationalisierung
Genau so schlecht sieht es mit einer eventuellen Reklame für die Südtirolier Weine aus, die seit urdenklicheu Zeiten ihre bestimmten Marken haben und nach diesen gekauft werden. Wem wäre es früher eingefallen, den bekaunteu Vino santo anders als uuter diesem Namen zu verlange»? Gab es einen einzigen vernünftigen Menschen, der einen „heiligen Wein" verlangte? Und jetzt soll der Südtiroler deutsche Weinhändler und Wciubauev keiuen „Terminer" mehr haben, sondern eineu „vino cii l'ermeno" oder keiuen „Kaltcrersee", sondern einen „IgM cii Lnlci^ro" und keinen „Leitacher", sondern einen „Lvrte"!
Aber was kümmern sich manche Leute um die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in die sie ein Land bringen. Der Jubel von ein paar Hundert kaum flügge gewordeneu Juugeu, die mit ihrer leider nur allzu beschränkten Einsicht die „Nettnng des Vaterlandes" und „die Erfüllung des Sieges" betreiben wollen, tröstet Tolomei und Genossen über alle Vorwürfe einer überlegenden Vernunft oder deren Neste hinweg. Der Augenblick ist's, dem diese Menschen und viele ihresgleichen leben wollen und die dabei vergessen, daß die Zuknuft Rechenschaft über alles verlangt, was in der Gegenwart geschieht. Und die Zukunft Italiens schaut nicht danach ans, als ob sie eine dauernde Feindschaft mit dem deutscheu Volke vertragen würde. Den deutschen Südtirolern ihre deutschen Ortsnamen und Heimalsbezeichnungen stehlen, heißt dem materiellen Gewinn von St. Germain eine Beute moralischen Randes hinzufügen, heißt der gewaltsamen Wegnahme deutschen Bodens nun eiuen Diebstahl au dem garantierten deutschen Volkstum folgen lassen. Die Deutsch-Südtiroler wissen, was sie in dieser Frage zu tun haben. Sie brauchen dazu keiue andere Unterstützung, als daß kein Deutscher, wer immer und wo immer er sei, an der Gewalt teilhabe, iu.dem er in seiueu Anschriften die anfgezwungenen Frcmdnamen verwendet. Die Deutsch-Südtiroler dürfen mit Recht daraus Anspruch erheben, als vollwertige Deutsche genommen zu werden nnd ihre Heimatstälten so benannt zn sehen, wie sie selbst seit Jahrhunderten sie nennen.
Gründung einer südslawischen Goethegesellschaft
!?or kurzem ist in Neusatz (Batschka, Südslawien) von deutschen und serbischen Freunden und Verehrern „von Goethes Persönlichkeit und Bildung, Wissenschaft und Kunst" eine Goethegesellschaft ins Leben gerufen worden. In dem Aufruf wird unter anderem ausgeführt: „Die heutige Gesellschaft gleicht einer durch einen ungeheuren Orkan aufgewühlten Meeresfläche. Eine feste Orientierung tut not, und zu dieser Orienticrun g kann auch der Goethekult verhelfen, die Versenkung in Goethes Lebens-..und Arbeitsweise, die Verbreitung von Goethes Werken und Goethes Ideen. Überzeugt, daß die Pflege von Goethes umfassender Kulturkreise, das Streben nach Gocthescher Vollendung und die Durchdringung mit Goetheschem Kulturgewissen jeder nach höherer Gesittung strebenden Gesellschaft förderlich, ja unerläßlich ist, haben wir uns zur Gründung einer südslawischen Goethegesellschaft zusammengeschlossen. Dieses Ziel wollen wir erreichen durch die Erfassung und Vertiefung von Goethes Beziehungen zum südslawischen Kulturkreise, durch die Herausgabe einer Goethebivgraphie und einer, guten Gesamtausgabe von Goethes Werken im Original und in serbokroatischer Übersetzung, durch Veranstaltung von Vortrügen und dramatischen Aufführungen u. a." Erinnert sei daran, daß Neusatz (früher in Südungarn) der Mittelpunkt der Kulturbestrebungen der zahlreichen und reichen Schwabenansiedlungen ist.
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