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Lenin : Verbrecher, Gottesgeißel, Befreier? :
(Schluß aus Heft 10)
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Georg Cleinow

Was Lenin wirklich ist, muß er, so viel Tatsachen er auch zur Beurteilung seines Wesens geschaffen hat, für die weite Öffentlichkeit erst beweisen. In unserer materiell gerichteten Zeit kann er sich auch als Staatsmann durchsetzen, wie er sich als Parteiorganisator durchsetzte, wenn es ihm gelingt, Rußland und die Sowjetregierung durch die schwere wirtschaftliche und finanzielle Krise zu führen, die die Situation beherrscht. Gelänge es selbst unter den größten Menschenopfern in den ein bis zwei Jahren, die ihm vielleicht als Frist gesetzt sind, so wird das nachgebliebene Volk mit Einschluß von Lenins heutigen Feinden bald all' das Leid vergessen haben, was er ihnen seit vier Jahren zufügt. Was bisher geleistet wurde, zeigt Lenin als einen Charakter von seltener Stärke und Gerad­linigkeit und als einen Organisator allerersten Ranges. Dieser Mann wird auch in der auswärtigen Politik die Wege ohne Skrupel und Zweifel gehen, die ihm geeignet erscheinen, seinen kommunistischen Idealen zum endlichen Siege zu ver- helfen. Die Verhältnisse in Europa kommen ihm zweifellos entgegen: selbst Frankreich muß mit dem Nußland Lenins rechnen. Aller Völker Not zwingt ihre Leiter bei den stärksten Kräften Anlehnung zu suchenl Ob Lenin, trotz der wirtschaftlichen und seelischen Not, die seine Maßnahmen über das russische Volk gebracht haben, doch Leistungen vollbracht hat, die vor dem Urteile der Geschichte bestehen können, auch wenn seine letzte Stunde bald geschlagen haben sollte, ist nicht eine Frage, die seine Zeitgenossen zu entscheiden vermögen. Der spätere Historiker wird jedenfalls bei der Prüfung dieser Frage untersuchen müssen, wie es in den Kreisen des alten Rußland aussah, die Lenin beiseite gestoßen und niedergeschlagen hat. Der schon erwähnte Roman des Generals Krassnow, die Memoiren des Grafen Witte, die demnächst von Professor Otto Hoetzsch in deutscher Sprache herausgegeben werden, und der offene Brief des Monarchisten N. A. Pawlow an Lenin geben darüber manchen erschütternden Aufschluß. Den Schlüssel für die Beurteilung Lenins gibt die russische Gesellschaft unter der Negierung Nikolaus des Zweiten, deren Geißel Lenin geworden ist.

Die Menschheit als Herde

Aus dein RomanMarkmannshof" von Herrn. SchSler

Sie wollen ganz andere Menschen machen, als unser Herrgott sie gemacht hat. Indem Sie den bisher treubewährten Kulturpionier, den Unternehmer, in einen bloßen Gehaltsempfänger verwandeln, wollen Sie seinen aristokratischen Geltungswillen, eine für das Ganze furchtbare Kraft zu einer Produktionskraft von Gemeineigentum machen, das andere verwalten, das seinem urzeugenden Willen entzogen sein soll. Dabei verkennen Sie nicht nur die Menschennatnr dieser auserlesenen Wenigen, sondern auch die der hinter ihnen zurückstehenden Vielen. Jeder Mensch trägt ein Hauptbuch mit Soll und Haben in sich, Sie lassen für die Wenigen nur das Soll, den Vielen geben Sie das Haben, das Resultat ist die Demoralisierung aller I Sie, der Sie glauben, den Menschen in einer neuen Sittlichkeitsidee aufgehen lassen zu können, einer Idee, die nur den Kosmos, die soziale Gesamtheit, den Gemeinwillen kennt, proklamieren in Wirklichkeit den krassesten Egoismus, ein rohes Genußprinzip, das alle verschlingt und ver­schlingen muß! Aus einer Zuschrift zumLenin"-Artikel des Grenzboten

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