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Weltspiegel
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O, G. von Wesendvnt

Lveltspiegel

Llohd Georges Schwierigkeiten. Lloyd George hat in der letzteil Zeit wenig Glück gehabt. Die Koalition, die im Jahre 1915 unter dein Druck der Kriegsereig- nisse begründet wurde, ist ins Schwanken geraten, denn ihr Zweck, die Durchführung des Krieges ist erreicht. Der Frieden hat aber den: englischen Volke schwere Ent­täuschungen bereitet. Bon einein Aufschwung ist nichts zu spüren, im Gegenteil, Amerika hat die Führung übernommen und New Dort die City überflügelt. Wirt' schaftlich bestehen die größten Schwierigkeiten, die in der Arbeitslosigkeit zutage treten. Die überseeischen Besitzungen, die früher von London aus geleitet wurden, haben sich in einen durch die englische Königskrone zusammengehaltenen Rund mehr oder weniger gleichberechtigter Staaten verwandelt. Dieses über die ganze Erde verstreute Reich bietet eine überreiche Fülle verwickelter Probleme. In Indien, wo der Nationalisten­führer Gandhi zu einer zeitweiligen Aufgabe des Passiven Widerstandes bewogen worden ist, gärt es an vielen Stellen weiter. 130 000 Mann englischer Truppen sollen notwendig sein, um die Ordnung aufrecht zu erhalten, eine dem englischen Steuerzahler höchst unerwünschte Aussicht. Ägypten hat zwar durcb das Eingreifen Lord Allenbys formell seine Unabhängigkeit erhalten und Sarwat Pascha daraufhin das Großwesirat übernommen, aber oie schwebenden Probleme der Sicherung der Reichsverbindungswege durch englische Besatzungen, wie des Schutzes der Fremden und der Minderheiten im Nillande selbst bleiben ebenso unberührt wie das des Sudan, den England den Ägyptern nicht zu überlassen gedenkt. In Südafrika hat es ans dem Rand ernste Reibungen gegeben.

Besonders hat die Fortdauer des irischen Zwistes der Opposition gegen Lloyd George Nahrung gegeben, die der Einpeitscher der Konservativen im Parlament, Sir George Aounger, iu ziemlich heftigen Kritiken zum Ausdruck gebracht hat. Hiergegen hat Lloyo George erregt protestiert nnd Chamberlain angedroht, er werde sich nötigen­falls zurückziehen. Die Koalition hat bei Ersatzwahlen tu der letzten Zeit regelmäßig Verluste erlitten, teils an di: Arbeiterpartei, teils an die Liberalen der Richtung Asauith-Grey. Chamberlain und Birkenhead suchen zwar mit allen Mitteln für die Koalition zu wirken. An Balfvur wird für das Auswärtige Amt gedacht, aber sehr aussichtsreich stellt sich die Lage nicht dar, zumal die vermittelnde Hand Bonar Laws fehlt. Llohd George hatte, als er uach Cannes ging, viele Trümpfe in der Hand. Mit Amerika war eine grundsätzliche Anseinandersetznng erfolgt, die anch den früheren Verbündeten, Japan, zu seinem Rechte kommen ließ. Nun hätte Ordnung in Europa geschaffen werden können, aber Lloyd George scheute sich, volle Arbeit zu leisten. England brauchte dabei Frankreichs Freundschaft durchaus nicht zn opfern. Es mußte durch geschickte nnd eindringliche Vvrstelluugen allerdings Paris davon zn überzeugen trachten, daß ein Verharren ans dem Gesichtspunkt der reinen Machtpolitik für die Franzosen selbst verhängnisvoll sei. Lloyd George hätte bei einem solchen Vorgehen die ganze Welt für sich gehabt. Das hieß durchaus nicht, für Deutschland eintreten, aber der Tatsache mußte immerhin Rechnung getragen werden, daß -60 Millionen Deutscher im Herzen Europas nicht dauernd unter der Kontrolle anderer Länder stehen können. Der Versailler Frieden ist man höre nur den Engländer Dillou ein Erzengnis des schlimmste« Dilettantismus und eines völligen Politisch­wirtschaftlichen Unverstandes. Eine gerechte Lösnng des europäischen Jammers stellt er mit seinem Netz von Nebenverträgen nicht dar. Der gegenwärtige Zustand ist jedenfalls unhaltbar. Keine Bataillone uud Geschrtze vermögen ihn aus die Länge zu verbürgen. Wird nicht rechtzeitig vorgebengt, so werden sich die zurückgedrängten Kräfte einmal mit elementarer Gewalt Durchbruch verschaffen und Europa stürzt dann im Chaos unweigerlich zusammen. Auf die Russeu nimmt die Entente schon mehr Rücksicht als auf das wehrlose deutsche Volk, und Trotzki weiß, warum er auf den: Ausbau des Roten Heeres besteht. Auch Moskau trachtet die Entente in Acht und Bann zu halten oder wenigstens zum Gegenstand ihrer Ausbeutung zu machen. Sie selbst schafft dadurch jene Solidarität der Interessen zwischen Deutschland und Nußland, die immer stärker als Erfordernis der Zeit zutage tritt. Die Russen haben es verstanden, der Entente und dem künstlichen Ring neugeschaffener künstlicher Staatsgebilde in Osteuropa einen Zusammenschluß der östlichen Völker entgegerizn- setzen, die sich im Selbstbewußtsein ihrer eigenen Kraft zu regen beginnen. Die Türken sehen, gestützt ans ihr kriegsgewohntes Heer, dem kommenden Frühjahr mit

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