H. Baumberger-Deimling
Tschechen und Deutsche
Von H. Baumberger-Deimling
^eim Neujahrsempfang auf dem Hradschin hielt der Präsident der tschechoslowakischen Republik eine Rede, in der er die deutsch-tschechische Frage als die für den jungen Staat wichtigste bezeichnete. Der Präsident sprach sich für freundschaftliche Beziehungen zum Deutschen Reich und für eine freundschaftliche Lösung der inneren deutsch-tschechischen Frage aus. Die Lösung dieser inneren Frage hält er nicht so sehr nach dem Schweizer Beispiel für angebracht — denn über territoriale Autonomien könne nicht verhandelt werden — als vielmehr nach dem belgischen Vorbild. Dann fuhr er fort: Unseren deutschen Landsleuten gebührt Anteil an der Verwaltung und an der Regierung; das versteht sich in einer Demokratie von selbst." Schärfer können die bisherigen tschechischen Regierungsmethoden wohl kaum kritisiert werden, als es in diesen Worten des tschechischen Staatshauptes geschehen ist. Für den Kenner der Denkungsart Masaryks ist dies nicht weiter verwunderlich, hat er sich doch schon öfter als Gegner mancher Tendenzen der tschechischen Negierung bekannt. Nur ein Beispiel sei angeführt: Als sich ihm Ende 1920 die drei Bürgermeister von Znaim, von denen einer ein Deutscher war, vorstellten, sprach er sein Bedauern aus, daß man in der Stadt Znaim, die er als deutsche Stadt kenne, durch Kommandierung auswärtiger tschechischer Soldaten zur Wahl künstlich eine tschechische Mehrheit konstruiert habe. „Er wolle solche Dinge nicht."
An der Aufrichtigkeit des Präsidenten zu zweifeln und seine Neujahrsworte nur als politisches Beruhigungs- und Einschläferungsmittel zu betrachten, geht angesichts der ganzen Persönlichkeit dieses Mannes nicht an. Zu bezweifeln ist nur, ob sich seine Ansichten tatsächlich werden durchsetzen können. Dies würde einen so radikalen Umschwung der gesamten inneren und äußeren Politik der Republik bedeuten, wie er einschneidender gar nicht gedacht werden kann, und wie er bei der Mentalität der tschechischen Regierungsparteien und der tschechischen Öffentlichkeit vorläufig nicht anzunehmen ist. Wie war die bisherige Negierungs- praxis?
Die tschechoslowakische Außenpolitik ist, trotz mancher gelegentlicher Seitensprünge, von Frankreich abhängig. Der tschechoslowakische Staat ist ein Glied in der Kette, die von der Entente um das Deutsche Reich gelegt worden ist, er ist zu diesem Zwecke gegründet worden. Von welchen Gefühlen man in Prager Ne- gierungskreisen gegen Deutschland beseelt ist, beweist unter anderem die Hilfe, die man in der oberschlesischen Frage Polen hat cmgedeihen lassen. Alle Ableugnungen des Herrn Benesch können hieran nichts ändern. Auch der Vertrag von Lana, der den ersten, gelungenen Schritt in der Reihe der Versuche bedeutet, Deutsch- Österreich zur Kleinen Entente und damit zur Großen Entente hinüber- und vom deutschen Mutterland wegzuziehen, ist ein Beweis für das tschechische Bestreben, eine Konsolidierung des großen deutschen Volkes zu verhindern. Und nicht weniger deutschfeindlich ist der auch in Prag erwogene Plan, gelegentlich der Zerschlagung Deutsch-Österreichs auch das Deutsche Reich zu zertrümmern, in dein man aus Bayern und einem Teil Deutsch-Österreichs einen selbständigen Staat machen will. In diesem Zusammenhang sei auch an das Buch Dr. Hcmusch Kufners, der rechten Hand des Herrn Benesch erinnert, in dem sich unter anderen deutschfeindlichen Bekenntnissen auch die Versicherung findet: „Wir werden den Deutschen an der Kehle bleiben." Die neuesten Beweise für die antideutsche Außenpolitik der Tschechischen Regierung erbringen jetzt einige Prager Zeitungen. „Narodni Politik«" vom 9, Februar bezeichnet als den wichtigsten Zweck der Pariser und Londoner Reise Dr. Beneschs die Forderung, daß der englisch-französische Garantievertrag sich nicht nur auf Frankreich und Belgien, sondern auf alle Nachbarn Deutschlands, also auch auf die Tschechoslowakei und Polen, beziehen müsse. Aus einer Mitteilung
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