Georg Cleinow
Aventüre, was u. a. auch in ihrem Bestreben zum Ausdruck kommt, solche sozialen Schichten und Klassen auf ein Brett zu stellen, wie die Intelligenz, das Proletariat und die Bauernschaft — die ferner ihren Ausdruck findet in der lauten Propaganda des systematischen Terrors . . ." (S. 3) u. a. m. Vorausschauend sieht Lenin, daß die russische Sozialdemokratie sich noch so lange mit den Sozialrevolutionären wird auseinandersetzen müssen, „bis ihnen die kapitalistische Evolution und die Verschärfung der Klassengegensätze allen Boden unter den Füßen fortgezogen haben wird" (S. 4).
Hier also offenbaren sich die tiefen sachlichen Gegensätze, die die heutige Feind- schaft zwischen Lenin und den nach Prag geflüchteten Sozialrevolutionären be- dingen. Lenin erweist sich als der energische, aber in aller Kühle und Zuversicht aufbauende Organisator einer kampffähigen politischen Partei, die einmal selbst regieren will, während die Sozialrevolutionäre mehr als Gefühlspolitiker die Geschäfte anderer besorgen und dadurch auch beim Zusammenbruch des alten Gesellschaftsbaues mitgerissen werden. (Schluß folgt)
(Llemenceaus Grabschrift für poincare
Von Alfred von lvegerer
Alle Menschen müssen sterben — auch Raymond Poincarö. Dann wird die Frage lebendig, was man auf seinen Grabstein schreiben soll. Wir möchten Herrn Poincarö empfehlen, sich schon bei Lebzeiten darum zu kümmern und testamentarische Verfügungen darüber zu treffen, da bei seiner Exponiertheit Entgleisungen besonderes Aufsehen erregen könnten.
Sollte Herr Poincarö lakonische Kürze lieben, wäre Wohl „Poincarö — la Zuerre" das einfachste und treffendste. Aber Herr PoincarS ist doch ein zu bedeutender Mann, um der Nachwelt nicht mehr von seinem Ruhm zu hinterlassen. Aus diesem Grunde möchten wir Herrn Poincarö vorschlagen, ein geschichtliches Dokument auf seinen Grabstein zu setzen und zwar eins der wenigen Dokumente, dessen Echtheit selbst Poincarü nicht anzweifeln wird. Verfaßt hat eS sein Freund Clemencecm und m der Mantelnote zum Ultimatum vom 16. Juni 19t9, das den Bersailler Frieden erzwäng, an Deutschland geschickt.
Allerdings sind zwei kleine Verbesserungen nötig, woran aber Herr Poincarö, der im Handumdrehen die Existenz ganzer Dokumentensammlungen ableugnet, keinen besonderen Anstoß nehmen wird.
Der für Poincarö als Grabschrift vorgeschlagene Passus aus der Mantelnote lautet: „Sie haben getrachtet, sich dazu fähig zu machen, ein unterjochtes Europa zu beherrschen und zu tyrannisieren, so wie Sie ein unterjochtes Deutschland beherrschten und tyrannisierten.
Um Ihr Ziel zu erreichen, haben Sie durch alle Ihnen zur Verfügung stehenden Mittel Ihren Untertanen die Lehre eingeschärft, in internationalen Angelegenheiten sei Gewalt Recht. Niemals haben Sie davon abgelassen, die Rüstungen") zu Lande und zu Wasser auszudehnen und die lügnerische Behauptung zu verbreiten, eine solche Politik sei nötig, weil Frankreichs"") Nachbarn auf sein Gedeihen und seine Macht eifersüchtig seien. Sie sind bestrebt gewesen, zwischen den Nationen an Stelle der Freundschaft Feindschaft und Argwohn zu säen. Sie haben ein System der Spionage und der Jntrigen entwickelt, welches Ihnen gestattet hat, auf dem Gebiete Ihrer Nachbarn Unruhen und innere Revolution zu erregen und sogar geheime Offensivvorbereitungen zu treffen, um sie im gegebenen Augenblick mit größter Sicherheit und Leichtigkeit zerschmettern zu können. Sie haben durch Gewaltandrohungen Europa in einem Zustande der Gärung erhalten, und als Sie festgestellt hatten, daß Ihre Nachbarn entschlossen waren, Ihren anmaßenden Plänen Widerstand zu leisten, da haben Sie beschlossen, Ihre Vorherrschaft mit Gewalt zu begründen."
*) In der Mantelnote steht noch: Deutschlands.
In der Manielnote heißt es statt Frankreichs — Deutschlands.
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