Wilhelm Schäfer
Fels und Dornen, zuletzt durch eine Höhle in einen Gang, aus dem sie mühsam, aber unbemerkt, ins Burggemäuer und vor die Kammer des Ritters kamen. Hier sollte Karl, im Türgebälk versteckt, des weiteren warten, während Elbegast zum Stall hinunterging.
Graf Harderich war in der Nacht nicht still im Schlaf. Er hörte seine»» Schimmel stampfen und rief dem Knecht, doch nachzusehen, ob RKvber bei den Pferden wären. Der ging mit seinem Licht zum Stall, fand aber niemand, weit Elbegast flach ausgestreckt auf einem Balken lag. Da blieb er auch dem Grafen Harderich verborgen, als der zum zweiten Male den Schimmel stampfen hörte und selber i.n den Stall hinunterging.
Unterdesseil stand Kaiser Karl versteckt im Türgebälk und wurde vou dem Grafen nicht bemerkt, als er unruhigen Gemütes wiederkam. So hörte Karl, wie ihn die Frau — die ängstlich seiner Rückkehr gewartet hatte — mit bitteren Vorwürfen empfing, daß er um anderer Dinge willen seit Tagen nicht mehr schlafen könne! „Es ist auch nicht um meinen Schimmel, daß ich nicht schlafe, ich brauche ihn nur morgen für eine Jagd, die mehr als schlechte Hasen bringt. Wir haben unserer zwölf geschworen, zum Thing in seine Pfalz zu reiten, un» wer am nächsten bei ihm ist, soll diesen fränkischen Karl zur Hölle bringen."
Da wußte Kaiser Karl, warum ihn das Gesicht zu stehlen hierher genötigt hatte. Mit einem Herzen voller Zorn ging er hinunter in den Stall, wo ihm der Schimmel willig folgte wie seinein Herrn, der gegen Elbegast so störrisch gewesen war. Am andere» Morgen, als der Ritter mit den elf anderen in die Pfalz geritten kam, saß Kaiser Karl auf einem Schimmel inmitten aller Treuen, Graf Harderich erkannte kaum sein Nofz, als er auch schon vom Sattel sprang und zu den Füßen Karls um Gnade flehte; die andern folgten kläglich seinem Tun. Nur war der Kaiser nicht gewillt, den Anschlag ungestraft M lassen, und keiner blieb am Leben. Doch seiner Pfalz, wo ihn ein Eizgel so wunderbar gewarnt und ihn vor einem bösen Anschlag gerettet hatte, gab er dew Namen Gngelheim.
Still!
Wie können die Dichter von Liebe singen,
Ich schütt'le den Kopf.
Meine Liebe ist ein einziges Klingen,
Nicht einen Ton
Möcht' ich dem Klingen rauben.
Medardus
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