B. H, Brock es
Die Welt
von B. h. Brockes
Den schönen Bau der Welt sieht, leider I jedermann Durch seiner Leidenschaft verkehrtes Fernglas an, Das alles, nur nicht sich verkleinert und entfernet, Durch welches man nur sich allein vergrößern lernet.
Dem Kaufmann kommt die Welt nur bloß als ein Kontor, Als eine Wechselbank, als eine Messe, vor. Voll Hoffnung zum Gewinn: voll Sorg und Furcht für Schaden Denkt er, die Erde sei ein großer Kaufmannsladen.
Ein Alexander glaubt, es sei der Kreis der Welt Nichts, als ein großer Platz, nichts als ein weites Feld, Bequem sich mit dem Feind, darauf herum zu schlagen, Und eben groß genug um seinen Thron zu tragen.
Es ist dem Handwerksmann, der auf der Werkstatt schwitzt, Die Werkstatt seine Welt, die er für sich besitzt. Er braucht des Schöpfers Bild, den Geist zusammt den Sinnen Zu nichts als Käse. Brot und Branntwein zu gewinnen.
Scheint ein Gelehrter nicht, die Erde, die so schön, Als einen Bücher-Schrank, tiefsinnig anzusehen; Den er mit neuen teils, und teils mit alten Grillen In allerlei Format, gehalten sei zu füllen.
Ein Advokat, der nichts als drehen und schmälen kann, Sieht bloß, als ein Gericht, den Kreis der Erden an. Die Menschen teilt er ein, die besten sind Clienten, Und zwar die Seinigen, die andern Delinquenten.
Ein Arzt beschaut den Kreis der Welt als ein Spital Ihn kränkt der Menschen Wohl, er lebt von ihrer Qual: Sein Zweck (ob seine Kunst gleich zu was Edlers führet) Ist: wenn durch ihn die Welt brav schwitzet und purgieret.
Es schreibt ein Philosoph: die Erd ist ein Planet Der jährlich um die Sonn, um sich sich täglich dreht; Der oft in Hitz und Frost, in Licht und Schatten, stecket, Woran der äußere Rand mit Narren ganz bedecket.
Ein Frommer aber glaubt mit Recht, es sei die Welt Ein Buch, das göttliche Geheimnis in sich hält: Ein Buch, das Gottes Hand, aus ewger Huld getrieben Zu seines Namens Ehr und unsrer Lust geschrieben.
Aus dem Buch „Irdisches Vergnügen in Gott". Auswahl aus der neunbändigen Gesamtausgabe (1723 bis 1748).
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