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Vücherschau
Kultur- und Geistesgeschichte
Dr. Franz Meffert, Israel und der alte Orient. Apologetische Vortrage, herausgegeben vom Volksverein für das katholische Deutschland. M.-Gladbach, Volks- vereinSverlag G. m. b. H. 1921. Mark 13.—.
Gelehrte und populär geschickte Auseinandersetzung mit den Babel-Bibelkoutroversen niit dem Zweck, die religiöse Bedeutung des Alten Testaments vor der Zersetzung durch die moderne Religionsforschung zu schützen.
Felix Nictmer, Islands Kultur zur Wikinger- zeit. Thule, Altnordische Dichtung und Prosa, Einleitungsband. Verlag Eugen Diederichs in Jena. 1920. Broschiert M. 15.—, geb. M. 23.-. Geivaltiges nordgermanisches Leben, in Land und Natur wie in die Gesamtheit des wikingischen Zeitalters hineingestellt, erfüllt dieses Buch, das nicht nur als Einleitungsband zu dein einzigartigen Uliersetzuugswerl „Thule", sondern auch "für sich selbst eine großartige, ebenso bildende wie stimmungsvolle Lektüre ist. Auch ein reiches Äb- biloungsmciterial geleitet den Leser durch Islands seltsame Welt.
Friedrich Heiler, Das Wesen des Katholizismus. München, E. Reinhardt. 1920. Brosch. M. 10.—, geb. M, 14.—. In einem Zeitalter des Katholisierens weiter intellektueller Kreise ist es ein großes Verdienst des rasch bekannt gewordenen Religionsforschors, ein nicht idealisierendes Gesamtbild des Katholizismus zu entwerfen, das in der vornehmen Weite und Versöhnlichkeit der Gesichtspunkte seinesgleichen sucht und dennoch die mindergttnstigen Seiten nicht schont. Über Hsilers eigenes Ideal, eine „evangelische Katholtzität", oder wenigstens über die Ausführbarkeit dieses Ideals mag wan skeptischer denken als seine schwedischen Freunde, vor denen er diese Vortrüge gehalten hat und deren eigene Neformpläne durch die Trennung Heilers vom üblichen Katholizismus neue Anregungen erfahren haben. Als Bekenntnisschrift eines tiefge- btldeten Theologen ist HeilerS Buch jedenfalls gleich neben Harnacks „Wesen des Christentums" zu nennen, mit dem es auch an stilistischem Reiz wetteifert.
Dr. Maria Fuerrlj, Die Madonnenverehrung. Eine religionspsychologische Studie. München 1921, Chr. Kaiser. M. 4,—.
Immer weitere Kreise zieht der Mut katholischer Autoren zu religionspsychologi- scher Betrachtungsweise. Man msrkt doch an der jüngsten katholischen Literatur, daß die Tage der Modernistenverfolgung Pius X. (vorerst wenigstens) vorüber sind. Die Verfasserin der vorliegenden Studie steht zu ihrem Thema frei und doch positiv; ihr kulturgeschichtlicher Erfahrungsbereich ist noch nicht grosz genug zur wirklichen Bewältigung der Aufgabe; aber als erster Versuch darf ihre Leistung anerkannt werden.
Fritz Mauthner, Spinoza. Ein Umnß seines Lebens und Wirkens. Dresden 1921, Carl Meißner. Die Gabe reizvoll funkelnder Philosophischer Plauderei ist iu Deutschland nicht so verbreitet, daß man sich nicht Mauthners hier in zweiter Bearbeitung ausgegebenen Spinozabüchleins sreuen sollte. Der witzige Skeptiker führt freilich weder auf geraden, schlichten Wegen zu einem historischen Begreifen des „Fürsten der Atheisten" hin, noch ist Manihners eigener Standpunkt oder Standpunkt^losigkeit geeignet, das System Spinozas gedanklich zu durchleuchten. Aber Mauthners Liebe zum „heiligen Spinoza", seine kecke Verflechtung des ganz Persönlichen mit dem sachlich Wichtigen reizt den Leser intensiv zum Weiterdenken, und wäre es auch nur, um den Mauthnerschen Spinoza zugunsten des echten wieder innerlich los zu Werden.
Christoph Schremvf, Lessing als Philosoph. 2. Auflage. Frommanns Klassiker der Philosophie. XIX. Stuttgart 1921, Fr. Frommanns Verlag. (H. Kurtz )
Friedrich Jodl, Ludwig Feusrbach. 2. Auflage. Frommanns Klassiker der Philosophie. XVII. Stuttgart 1921, Fr. Frommanns Verlag. (H. Kurtz) Von den beiden Neuauslagen der bekannten Philosophenreihe ist Jodls Feuerbach in den Anmerkungen und Textbelegen verbessert, in der Hauptsache aber ebensowohl ein Neuabdruck wie Schrempfs Lessing.
Ficht?. Eine Einführung in seine Schriften.
Von Oberschulrat Prof. Dr. A. Messer.
164 Seiten. Preis geh. M. 6.6», geb.
M. 9,60. Verlag von Quelle u. Meyer
in Leipzig. 1920. Mit Fichte steht es wie mit Dante. Er zieht unwiderstehlich reifere Gemüter zum Lesen an und enttäuscht dann doch bald die
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