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I>ie Zerstörung der Persönlichkeit
Von Maxim Gorki
«Schluß aus Heft 7)
II.
Man muß sich darauf gefaßt machen, daß in einer sehr nahen Zukunft irgendein kühner und schamloser Mensch ein trauriges Buch über „Die Zerstörung der Persönlichkeit" schreibt und uns in diesem Buch den unbeugsamen Vorgang der geistigen Verarmung des Menschen, die unvermeidliche Verengerung des „Ich", zeigt.
In diesem Vorgang hatte das neunzehnte Jahrhundert eine entscheidende Rolle gespielt — es war die Prüfung der seelischen Standfestigkeit der Weltbourgeoisie und zeigte, daß diese überhaupt keine Fähigkeiten zur Erschaffung des Lebens hatte.
Die Entwicklung der Technik? Nun ja, freilich I Das ist eine großartige Arbeit. Aber man kann von der Technik sagen, daß sie „sich selbst genügt", denn auch sie ist das Ergebnis der nicht persönlichen, sondern gemeinschaftlichen Schöpfung, sie entwickelt sich in der Fabrik, mitten unter den Arbeitern — in den Arbeitsstuben verallgemeinert man nur, organisiert man nur neue Gegebenheiten, aber man hat sie durch die Gemeinschaftserfahrung der Massen erhalten, die keine Zeit für eine unabhängige Synthese ihrer Beobachtungen und Kenntnisse haben und gezwungen sind, den ganzen Reichtum ihrer Erfahrung fremden Händen auszuliefern. Die Entdeckungen im Gebiete der Naturwissenschaften scheinen auch, da sie das Wachstum der Technik auf das Ganze zurückführen, nur formal das Werk der Persönlichkeit zu sein. Seht doch zu, wie sehr die Entdeckungen dieser letzten Zeit im Gebiet des Aufbaus der Materie einen offen gemeinschaftlichen Charakter haben I Und trotz des hartnäckigen Verlangens des Individualismus, die Gegebenheiten der Naturwissenschaften in einer antidemokratischen Art zusammenzustellen, unterwerfen sich die Naturwissenschaften nicht diesen Versuchen, ihren gemeinschaftlich geschaffenen Inhalt zu fälschen, er stellt sich immer klarer auf eins monistische Art zusammen und wird allmählich der mächtige und tiefe Grund des Sozialismus' — eine Tatsache, welche die jähe Abkehr des Bürgertums von den Naturwissenschaften wieder zur Methaphysik erklärt.
Die herrschenden Klassen hatten immer nach der Monopolisation der Wissenschaft getrachtet und verbargen sie auf jede Art vor dem Volke, dem sie den kristallisierten Gedanken zeigten, einzig wie eine Muffe, die zur Festigung ihrer Macht über es dienten. Das neunzehnte Jahrhundert hat diese fluchwürdige Politik entschleiert und in Europa einen Mangel an intellektueller Willenskraft bewiesen; die Bourgeoisie hat eine zu große Arbeit auf dem Gebiet der Industrie und des Handels vollendet, sie hatte wahrscheinlich alle Reserven ihrer moralischen Kräfte hineingesteckt — und sie hat sich, das ist offenbar, psychisch verhoben.
Man verband das Volk nicht mit der Wissenschaft — dies wäre unerläßlich für den allgemeinen Triumph des Kampfes um das Leben; mau verband es nicht aus Angst, daß es sich, beladen mit der Wissenschaft, weigern würde zu arbeiten; man sorgte nicht, die Quantität der moralischen Willenskraft zu vermehren — und der Mangel an Quantität hat die Bourgeois in den raschen Niedergang der Qualität der schöpferischen Kräfte geführt. Das Leben wurde immer verwickelter und strenger, die Technik beschleunigte mit jedem Jahrzehnt ihren Gang und beschleunigt ihn und wird ihn beschleunigen. Jeder neue Arbeitstag und jedes neue Arbeitsjahr fordern von der Persönlichkeit, die eine leitende Stellung einzunehmen wünscht, eine immer größere Intensität der Kräfte. Noch am Anfang des vergangenen Jahrhunderts war der Bürger, der sich eben von
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