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Das Marineabkommen von Washington
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Das Marineabkommen von Washington

Das Marineabkommen von Washington

Von Korvettenkapitän Gadow, Berlin

Äls Staatssekretär Hughes am 1. Februar die letzte Sitzung der zwölfwöchigen Washingtoner Konferenz schloß, bezeichnete er sie als eine der denkwürdigsten Versammlungen der Geschichte. Man mag dem leicht gehobenen Pathos der Neuen Welt, sowie dem berechtigten Wunsche, das abgeschlossene Werk gewürdigt ?ll sehen, dieses Zugeständnis machen. Auch ohne den strengen Maßstab großer geschichtlicher Tragweite bleibt genug Bemerkenswertes zu betrachten.

Zur Zeit der Einberufung dieser Konferenz trieben starke Spannungen die führenden Seemächte unzweifelhaft einem Zusammenstoß entgegen. Die Gesamt­heit jener Fragen, welche man etwas vage das Problem des Stillen Ozeans genannt hat, schien zur Entscheidung reif. Japan, der Herr Koreas, fest ver- ankert in der Mandschurei und Ostsibirien, durch die Friedensverträge nunmehr auch im Besitz des begehrten Schantung und der deutschen Jnselpfänder, die es Deutschland auch ohne Erinnerung an Schimonoseki im Welkriege geraubt haben Würde hatte einen Grad der Vormacht erlangt, der es seinen weitgesteckten Zielen um Meilen näherbrachte. Stärkste Flottenrüstungen deuteten darauf hin. daß es bereit schien, den großen Wurf um die entscheidende Monopolstellung in Ostasien zu wagen. Die japanischen Nüstungsausgaben umfaßten 1921 beinahe 50 Prozent des Gesamthanshalts, ein Flottengesetz folgte dem anderen, und das letzte, welches den Bau von je 8 Großkampfschiffen und Schlachtkreuzern vor­schrieb, welche nach acht Jahren wieder ersetzt werden sollten, drohte die nicht minder starken Rüstungen Amerikas einzuholen und selbst der englischen Flotte den Vorrang streitig machen. Die Vereinigten Staaten waren mit der Vollendung ihres Flottenprogramms von 1916 beschäftigt, welches den Neubau von 10 Linienschiffen, 6 Schlachtkreuzern und zahlreichem Zubehör vorsah. Ihre strategische Belastung mit zwei Seefronten schien durch das unzweifelhaft gute Verhältnis zu England gemildert, die vom englisch-japanischen Bündnis zu erwartende Gefahr nur uoch gering. Wie erinnerlich, fiel dieses Bündnis dem Einspruch der Dominions auf der Reichskonferenz im Sommer denn auch bereits aller praktischen Bedeutung nach zum Opfer. So schienen die Vereinigten Staaten wohl in der Lage, der in Ostasien drohenden Durchkreuzung ihrer wirtschaftlichen Pläne durch Japan über kurz oder lang gewaltsam entgegenzutreten. Gleichwohl tonnte nicht verborgen bleiben, daß die amerikanischen Rüstungen anfingen, einen hohlen Klang zu geben. Der gewaltige Eindruck des amerikanischen Eintritts in den Krieg, das Ausmaß seiner Seerüstungen und das rapide Wachstum seiner Handelsflotte die von 1.8 Millionen Tonnen im Juni 1914 auf 12.S Millionen Tonnen im Juni 1921 anstieg hatte vielfach übersehen lassen, daß diesem Werke der Unterbau fehlte. Das amerikanische Volk hatte sich mit dem ihm eigenen Feuereifer daran gemacht, die See zu erobern, aber es hatte nicht das Zeug dazu. Kriegs- und Handelsflotte begann es an Bemannung zu fehlen, Tausende der kriegsbegeisterten Freiwilligen und Sportsmen kehrten der See wie dem Kriegsdienst erleichtert den Rücken, als der Krieg vorüber war. Die dilettantische Hilflosigkeit des sKippiriA doarä, welches mit Millionen Tonnen unbrauchbarer Schiffe nichts anzufangen wußte, der Mangel an organisations- fähigen und erfahrenen Reedereien (Anschluß und Lloyd und Hapag) fanden ihr Gegenstück in der Kriegsmarine, welche unter dem Mangel an Personal, Nach­wuchs und daher Durchbildung fast ebenso litt, wie unter dem Nachlassen des nationalen Interesses. Stand Japan demnach unter der Einwirkung eines gewaltsamen Expansionstriebes, der seine finanziellen Möglichkeiten und damit seine natürlichen Grenzen überschritt, so litten die Vereinigten Staaten unter einem Erbstück von Rüstung, das ihnen, wenn nicht zu teuer, so doch zu weit M werden drohte.

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