Bücherschau
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Kultur- und Geistesgeschichte
Wilhelm Dilthey, Gesammelte Schriften.
2. Band, 2. unveränderte Auflage, 4. Band.
Leipzig und Berlin. B. G. Teubner. 1921.
Geh. M. 90— bzw. M. 95.—, geb. Mark
100.— bzw. M. 106.—. Der Ruhm DiltheyS breitet sich langsam aus, und heute ist die Zahl der Gebildeten nicht mehr gering, die ihn als Geisteshistoriker neben den Kulturhistoriker Jacob Burckhcrrdt stellen. Die größere Abstraktheit seiner Gegenstände und seines Stils verhindert allerdings seine völlige Gleichstellung mit dem Altmeister der anschaulichen Kulturgeschichtsschreibung. Aber als Klassiker empfinden wir den Bahnbrecher moderner geistesgeschichtlicher Darstellung mehr und mehr und hoffen deshalb ein nunmehr rascheres Erscheinen der Gesamtausgabe. Zwei Bände liegen bis jetzt von ihr vor, davon der eine (II) vor dem Krieg herauskam und nun schon zum zweiienmal aufgelegt wird. Der andere Band (IV), von H.^Nohl bearbeitet, bringt als kostbarste Gabe die bisher unveröffentlichten Fragmente zu Hegels Geschichte. Ein gewaltiger Torso! Um d esen „H>,'gel", der trotzseinem (fürDiltheytypischen) Bruchstückcharakter die Philosophische Welt nachhaltig beschäftigen wird, hat der Herausgeber die kürzeren Abhandlungen gereiht, welche in das Gebiet der „Studien zur Geschichte des deutschen Geistes" fallen.
W. Dilthey, Das Erlebnis und die Dichtung. Lessing, Goelhe, Novalis, Hölderlin. 7. Aufl. Verlag von V. G. Teubner. Leipzig und Berlin 1921. Geh. M. 14.-.
NloisRiehl, Friedrich Nietzsche, Der Künstler und der Denker. 6, Aufl. Frommanns Klassiker-Philosophie. Stuttgart. Fr. Frommanns Verlag (H. Knrtz). 1920. Brosch. M. 12.-, geb. M. 16.-.
Wilhelm Windelvand, Platon. S.Auflage. Frommanns Klassiker der Philosophie. IX. Stuttgart. Fr. Frommanns Verlag (H. Kurtz). 1920. Brosch. M, 12.—, geb. Mark IS.—.
Die drei hier gemeinsam angezeigten Neuauflagen gehören zu dem bleibenden Ertrag der geistesgeschichtlichen Epoche zwischen 1870 und 1914. Die Wissenschaft hatte damals ihre Stärke im kritischen und historischen; sie entbehrte der schöpferischen Tiefe und eines festen Glanbenszentrums. Aber sie stand der klassischen Zeit noch nahe genug,um den feinsten Sinn für das Schöpferische zu zeigen. Sie stand auf der Höhe kritischer Selbstzucht und vermochie klar darzustellen, sicher zu zergliedern, einfach zu gliedern. Der heutigen wissen
schaftlichen Jugend, die wieder mehr nach eigenem Glauben ringt, ist diese Generation unserer Lehrer, die jetzt ins Grab sinkt, unentbehrlich, weil sie wissenschaftlich noch ernster diszipliniert war. — Die Neuauflagen von Dilthey und Windelband sind unverändert (wodurch freilich das Wiudelbandsche Buch vom derzeitigen Stand der Platonforschung serner rückt). Auch Riehl hat nur wenig verändert.
Charles Richet, Der Mensch ist dumm! Satinsche Bilder aus der Geschichte der menschlichen Dummheiten. In deutscher Bearbeitung und mit Anmerkungen von Dr. Rudolf Berger, (Berlin). 1. Auflage. Berlin 1922, Verlag Neues Vaterland, E. Berger u. Co. Ein moderner Aufklärer, Nationalist und Pazifist, der gegen Grausamkeit und Aberglauben, Laster und Morden, Krieg und Naturverschandelung und noch vieles andere die Geißel, nicht selten auch die Pritsche schwingt. Es könnte denLan dsleuten Poincarös nichts schaden, wenn sie Charles Nichet noch mehr läsen, als sie es tun. Indeß gehört er tatsächlich zu jener Gattung von Schriftstellern, die sehr amüsant, sehr treffend sich lesen, jedoch das Gefühl hinterlassen, daß die Sachen jeweils auch noch eine andere Seite haben.
Rudolf Kleinpaul, Das bekränzie Jahr. Der Kreislauf des Jahres im Spiegel der Kulturgeschichte. Berlin und Leipzig. Vereinigung wissenschaftlicher Verleger. 1920.
Rudolf Kleinpaul hat bei seinem Tode eine Schrift hinterlassen, welche, von Albert Wagner herausgegeben, als der Kalender der kulturgeschichtlichen Besinnlichkeit bezeichnet werden darf. Jahreszeiten und Feste reihen sich ihm zum Kranz.
Richard Mttller-Freienfels, Bildungs- und Erziehungsideale in Vergangenheit, Gegenwart und Znkunft in Psychologischer und philosophischer Beleuchtung, Wissenschaft und Bildung. Einzeldarstellungen aus allen Gebieten des Wissens. Band 166. Leipzig, 1921. Quelle u. Meyer. M. 8.—. Das gedankenreiche Schriftchen, ans Borträgen vor Lehrern hervorgegangen, erörtert zuerst die verschiedenen Typen des Bildungsideals, dann die Möglichkeiten der Erziehung auf den verschiedenen Gebieten des Wissens und des Könnens, und versteht zuletzt an eine Bilanz der Gegenwart Ausblicke in die Zukunft zu knüpfen.
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