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Weltspiegel
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Die französisch-cuglische Auseinandersetzung. Während Berlin durch den wegen seiner Sinnlosigkeit in sich zusammengebrochenen Streik zu einer einsamen Insel ge­worden war und alles Interesse sich auf die Vorgänge des täglichen Lebens zusammen drängte, sehte sich außerhalb der Reichsgreuzeu der große Meinungsaustausch zwischen Paris und London fort, iu dem auch Deutschlands Schicksal bestimmt wird. Das britische Parlament, das Lloyd George ursprünglich im laufenden Monat auszu- lösen gedachte, ist zusammengetreten. Die Thronrede hielt sich in allgemeinen Wen düngen. Erst im Laufe der Verhandlungen griffen Lloyd George und Lord Curzon in die Debatte ein. Gerade in England berühren sich in diesem Augenblick vielfach innere nnd äußere Probleine. Lloyd George befindet sich in der Verteidigung gegen seine Gegner, die ihn von ganz verschiedenen Standpunkten ans angreisen. >sehr erschwert wird die Lage dadurch, daß sich die Verhältnisse in Ägypten, Indien nnd Irland stark zugespitzt haben." Noch vor kurzem sah es danach aus, als würde sich zwischen dem Ulster und den Südiren eine Verständigung anbahne», die unter Anfrechterhaltnng der beiderseitigen Selbständigkeit ein freundnachbarliches Verhältnis schaffen könnte. Aber die Be­sprechungen haben sich zerschlagen, es ist sogar zu Einfüllen der Iren in einzelne zu Ulster gehörenden Grafschaften gekommen. Die irischen Nationalisten beanspruchen ausgedehnte Teile von Ulster, kurzum, der alte Streit flammt wieder in der hef­tigsten Weise auf. Anch die versprochenen Ersparnisse sind immer noch nicht von der Regierung kundgegeben worden? dagegen klagt sie über die Arbeitslosigkeit und den geschäftlichen Stillstand, der sich auf allen Gebieten bemerkbar macht. In dieser Be­ziehung übt die Beschränkung der Flottenbanten durch das Washingtoner Abkommen, sd sehr eS die britischen Finanzen entlastet, anch ungünstige Wirkungen aus.

Lloyd George muß zugleich auf die Wirkung im Anstand, in Amerika wie in Frankreich, achten. Was der englische Ministerpräsident über den von ihm Briand als besondere Gabe zugesagten Garantievertrag ausführte, klingt deutschen Ohren wenig erfreulich. Man darf vou Lloyd George nicht erwarten, daß er den deutschen Staudpunkt irgendwie verteidigt, aber er, und ganz in seinem Stirne Lord Curzou. wollen doch, daß Deutschland am Wiederaufbau Europas mitwirkt. Dies ka»» jedoch nur ein deutsches Volk tun, das zwar die Lasten des durch den unglücklichen Aus­gang deL Krieges heraufbeschworenen Friedensvertrages trägt, das aber in freier und friedlicher Arbeit sich zu entwickeln vermag. Ein solches Recht muß Deutschland ge­lassen werden. Lloyd George sprach aber vou der Gefahr, die wegen der Geistes­verfassung der deutscheu Jugeud sich in 20 Jahren zeigen werde. Er wollte die Kritiken der Arbeiterpartei gegen das Bündnis abwehren uud seiu Ber ständuis für die frauzösische Psyche bekuudeu, aber er hat dabei zugleich enthüllt, worauf sich das wahre Streben der von ihm vertretenen britischen Politik richtet: aus Deutschland ein in dauernder Bedrückung lebendes, von der Gnade der Westmcichte abhängiges Volk zn, machen, d. h. den gegenwärtigen unerträglichen Zustand zu ver­ewigen. In seiner überwiegenden Mehrheit ist das deutsche Volk vvn- den friedlichsten Gefühlen beseelt. ES hat, was auch die Gegner behaupten, mögen, nie nach Weltherr­schaft gestrebt, wie ein Napoleon I. Der Geist vou 1813, der damals der englischen Politik ebenso gelegen kam, wie die Beseitigung des in seiner Betriebsamkeit London verdächtigen zweiten Kaiserreichs dnrch die deutschen Heere im Jahre 1870, entstand aus der ungerechten Knebelung, der nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa durch deu napoleonischen Druck ausgesetzt war. Wer das Aufkommen von Rache­gelüste» verhindern will, muß dem deutschen Volke endlich Gerechtigkeit widerfahre» lassen. Deutschland stellt heute, wie eS zu seinem eigenen bittersten Schaden- erfährt, keinen Machtfaktor mehr dar, uud es muß sich augesichts der verhängnisvollen Ent­wicklung seit dem Waffenstillstand von 1918 die Überzenguug festscheu, daß ein Volk auch wirtschaftlich bei allem Fleiß nnd aller Tüchtigkeit sich nicht durchzusetzen vermag, solange ihm der machtpolitische Rückhalt fehlt. Deutschland wird in Genua nur Staffage seiu. Die Art, wie Rußland mit seiner Roten Armee oder der türkische Nationalismus behandelt werden, zeigt am besteil den Unterschied zwischen Völkern, vor denen man Achtung haben muß uud solchen, die sich wegen ihrer Wehrlosigkeit dein Geheiß der Feinde einfach fügen sollen. Tritt nicht ein völliger Wandel in den Auffassungen der Gegenseite «in, mit dein zu rechnen sentimentale Gefühlsseligkeit wäre, so kann durch alle Kon­ferenzen uud Verhandlungen an der verzweifelten Lage Dentschlands nichts geändert werden. Die Zulassung znm Konferenztisch genügt nicht. Deutschland muß auch sonst nicht als Staat zweiter Klasse angesehen werden, den man durch Kommissionen be-

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