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Das amerikanische Credo : (Fortsetzung aus Heft 5). III.
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H. L. Mencken, Baltimore

Unter dem Deckmantel dieser erheuchelten Duldsamkeit, die nicht von echt liberaler Gesinnung, sondern ganz einfach von dem Volksmißtrauen gegen jede abweichende Meinung gezeitigt ist, hat sich eine Tyrannei herausgebildet, die schwerlich ihresgleichen in der neueren Geschichte hat. Mit Ausnahme einiger größerer Städte leidet jede amerikanische Gemeinde unter einer priesterlichen Will­kür, deren Absichten unredlich und ehrlos sind und deren Macht in der Kampagne zugunsten des Alkoholoerbots in großartiger Weise entfaltet worden ist. eine Willkür, die von einer aus unwissenden, abergläubigen, eigennützigen und un> ehrlichen Männern gebildeten Zunft geübt worden ist. Man kann ohne Vor­eingenommenheit den katholischen Klerus mit einer gewissen Berechtigung verteidigen. Er besteht aus Männern, die zum mindesten ein begreifliches Ideal verfolgen und es durch ein wirkliches Opfer verklären. Aber angesichts der meihodistischen Geistlichkeit läßt sich die Schwäche, seinem Unwillen Ausdruck zu geben, kaum vermeiden. Man sieht hier nichts anderes als eine Schar unerzogener, auf­rührerischer Dummköpfe, die es nach Macht gelüstet, die keinen Widerspruch ver­tragen können und von kindischer Eitelkeit erfüllt sind, einen ganzen Haufen von geweihten Geistlichen, die aber an Würde und Klugheit kaum mehr wert sind, als die elenden Narren, deren Seelen sie beständig foltern. In den gesamten Vereinigten Staaten gibt es unter ihnen kaum einen einzigen, der als verständiger und gut unterrichteter Mann hervortritt. Unwissend in jeder Beziehung, mit Ausnähme der Anfangsgründe, unberührt von den wichtigeren Strömungen des Denkens, berauscht von der Macht, die sie über Tölpel besitzen, verschroben geworden durch ihr Privilegium, das sie gegen jeden Angriff feit, übertragen sie den Tiefstand des stumpfsten Bauerntums auch auf die beruflich tätigen Bevölkerungsschichten und erniedrigen die Religion zu einer Stätte des wider­sinnigsten Hasses.

Kein Dorf in Amerika, wo nicht einer von diesen albernen Eseln sein ver- Heerendes Wesen treibt! Und noch schlimmer, er ist meistens der Träger der dörflichen Anschauungen, daS Vorbild der Vernunft, der Sittlichkeit und des Geschmacks I In seinen Talar gehüllt, steht er hoch über jeder Kritik. Seine ein­fältigen Gedankengänge bezweifeln, das heißt Auflehnung gegen die göttlich? Offenbarung! (Fortsetzung folgt)

Gewissen

Und so furchtbar es erklänge: Unnütz, der dich unrein quälst," Hör ich flüsternde Gesänge: ' Du gefällst, auch wo du fehlst."

Noch im redlichen Bemühen Seh ich heimlich mich bespiegelt; Und so komm ich nie zum Glühen, Gottes Flamme bleibt versiegelt, >

Die mich einst ans Licht getragen, Und die tief, als ich erwuchs. Sich im Innern eingeschlagen Als ein sanftes:Du bist's!... such's!"

Franz Stitzenburg -5

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Dst so tief mir eingeboren Mehr zu gelten als zu sein'. Wesen hab ich bald verloren, Und es wächst um mich der Schein.

Was die andern von mir meinen. Samml' ich auf, als wär es mein, Will mir lieber glücklich scheinen, Als des Glückes wert zu sein.