B ü ch r r s ch n u
Vücherschau
Naturwissenschcrft
E. Gehrcke, Physik und Erkenntnistheorie.
Leipzig und Berlin, B, G. Teubner, 1921.
M. 20.—. geb. M. 2S.—. Durch Einstein ist das Interesse für theoretische Physik ein ganz allgemeines geworden; aber selten finden sich bei Gebildeten die denkmäßigen Voraussetzungen, um die Fragestellungen der theoretischen Physik richtig aufzufassen. Gehrckes Buch ist von ganz besonderem Wert und seine Lektüre der Beschäftigung mit popularisiertem Einstein für denjenigen vorzuziehen, der überhaupt erst einmal darüber Klarheit gewinnen möchte, welchen Ort die physikalischen Probleme im philosophischen Denken einnehmen.
I. M. Berweye», Naturphilosophie. 2. Aufl. Aus Natur und Geisteswelt 401. Band. Leipzig und Berlin, B. G. Teubner. 19 IS. Kart. M. 6,80.
Der eigene Standpunkt des Bonner Naturphilosophen ist nur angedeutet in seiner Theorie des „Urerlebnisses" (S. 68 ff.), einer Art von Jdentitätslehre. Als Wiedergabe und Kritik der verschiedenen für unsere Zeit noch wichtigen naturphilosophischen Standpunkte und Probleme ist die kleine Schrift eigenartig, anregend und von bewegter Gedankenführung.
Johannes Schlaf, Neues zur geozentrischen Feststellung. Rothenfelde (T. W.) 1921. Johann Georg Holzwarth. M. 4.S0. Aus einer statistischen Zusammenstellung über Sonnenflecke hatten Astronomen geschlossen, daß große Sonnenflecks meist auf der der Erde abgewandten Seite der Sonne entstehen und durch die Rotation der Sonne um den Rand herum in den Gesichtskreis der Erde geführt werden. Wenn das wirklich der Fall sein sollte, so ist dafür gegenwärtig eine Plausible Erklärung noch nicht erkennbar. Schlaf meint nun, daß dafür daS heliozentrischo System verantwortlich zu machen sei, versucht aber, soviel ersichtlich, nicht einmal, zu zeigen, daß das von ihm »erfochtene geozentrische System die Erklärung geben könne. Das scheint ihm ganz selbstverständlich zu sein, während dem mit der Mechanik und Kinematik Vertrauten ganz unersichtlich sein muß, wie die Erklärung davon abhängig sein könne, ob mau den einen oder den anderen Körper eines Systemes bewegter Körper als feststehend annimmt. Nach der Kurzsichtigkeit der Laien glaubt Schlaf einer Kleinigkeit wegen, die erst noch mit Sicherheit festgestellt werden
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müßte und für die sich, wenn sie festgestellt werden sollte, die Erklärung vermutlich finden wird, alles über den Haufen werfen zu müssen, ohne sich darum zu kümmern, was etwa sonst für Folgen entstehen. Daß er die Frage wissenschaftlich zu behandeln nicht vermöge, geht aus den mechanischen Vorstellungen hervor, die er sich aus den Fingern saugt, um sie an die Stelle der Schöpfung zu setzen, die der jahrhundertelangen Arbeit der größten Geister zu danken ist. Es wird nicht leicht jemandem einfallen, einen Schuh machen zu wollen, wenn er es nicht gelernt hat; die größten Probleme der Natur sind aber gerade rocht, daran den Witz eines liberklugen zu Probieren.
Dr. Emil Werth, Das Eiszeitalter. Sannnlnng Göschen. Verlag Vereinigung wissenschaftlicher Verleger Walter de Gruyter u. Co. Berlin und Leipzig. 1920. Preis geb. M. 2.10, plus 100 Prozent. Gründliche Beschreibung mit vielen Einzelheiten, etwas zu summarisch hinsichtlich der Hypothesen über die Enistehungsursnchcn der Eiszeit oder richtiger Gletscherzeit.
O. Wiener, Physik und Kulturentwicklung durch technische und wissenschaftliche Erweiterung der menschlichen Naturanlagen. 2. Auflage. Mit 72 Abbildungen im Text. Verlag von B. G. Teubner. Leipzig und Berlin. 1921. Geh. M. S.—.' geb. M. 8.80 niit 120 Prozent Teuerungszuschlag.
Auf der Grenzscheide von Naturwissen- schaft und Kulturgeschichte erläutert Wiener mit Wort und Bild die wachsende Befreiung der menschlichen LeistnngSfähigkeil von der ursprünglichen körperlichen Anlage. Der Geist baut sich einen neuen Körper, indem er die Sinne durch Apparate, die Gliedmaßen durch Technik erweitert, und befreit das Wissen oder die Erfahrung von den Zufälligkeiten, die von unseren natürlichen Sinnen ausgehen. Das anregende Buch wird von jung und alt, Physikalisch wie geschichtlich Interessierten viel zu Rate gezogen werden.
Hans Driesch, Philosophie des Organischen. Gifford-Vorlesungen, gehalten an der Universität Aberdeen in den Jahren 1907—1903. Zweite verbesserte und teilweise umgearbeitete Auflage. Leipzig. 1921. Wilhelm Engelmann. Geh. M. 86.--, geb. M. 10ö.- .