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Bücher für den Aunstfreund
Das Erbe — C. D. Friedrich — Hans Thoma
Da ist ein Sammelband „Das Erbe" erschienen, von Tim Klein herausgegeben, (Verlag N, Piper, München 1921. Pr 60.—), ein ungewöhnliches Buch, voll Charakter in Plan und Durchführung. Hier wird Ernte gehalten aus vier Jahrhunderten deutscher Geistesarbeit. Schauen und Bilden, Glauben und Denken, die Sprache, der Bolksmund, die Meisterprosa, deutsches Land und Geschichte finden fern von nur zeillich Bedingtem in den Gedanken und Gestalten großer überragender Menschen ihre Deutung. Mit dem Hymnus auf Meister Erwin von Stein- Dach des jungen Goethe hebt das Buch an, Worringers „Vaugedanke der Gotik" aus den „Formproblemen" folgt und wird abgelöst von der in all ihrer Sachlichkeit unheimlich berührenden Schilderung A. Dürer vom Tode seiner Mutter. Es schließt sich Oskar Hagens klärender Aufsatz über „Deutsche Form" an. PH. Otto Runges Erscheinung und mit ihm die Tage der Romantik werden in einem Bekenntnisbrief lebendig. Schließlich erzählt Fontane vom alten Schadow, es findet stch ein Brief H. von Marües und Aufzeichnungen Hans Thvma's — das ist der Inhalt der ersten SV Seiten dieses siebenfach starken Bandest Vom Verleger wurden mit schönem Verständnis Schwarzweißblätter von Schöngauer, Dürer und Altdorfer, von Schadvw, Thoma und Marües eingestreut und ergänzen veranschaulichend den Inhalt dieses Abschnittes, «scheinbar lose aneinander gefügt ist die Anordnung doch klar durchdacht und verlangt zusammenhängendes Lesen. — Wahrhaft ein Bildnngsbuch für den jungen werdenden Menschen und darüber hinaus Vielen in die Hand zu wünsche»!
Einer der stillsten und zartesten Künstlererscheinungen deutscher Lande, der Pommer Caspar David Friedrich, ist weder im Bild noch Wort im „Erbe" enthalten. Seinen reinen Geist beschwört das schmale Buch Dokumente und Bilder, das Otto Fischer zusammenstellte (C, D. Friedrich, Die romantische Landschaft, Verlag Strecker u. Schröder, Stuttgart 1922. Preis geb. M, 33.—). Nicht die grosze abschließende Arbeit, auf die wir seit Auberts Tod warten liegt hier vor; der Herausgeber bescheidet
sich vielmehr, die zum guten Teil schon durch den „Stillen Garten" weit bekannt gewordenen Gemälde in sorgfältiger Wiedergabe gemeinsam mit Aufzeichnungen Friedrichs ^,Mer das, was Kunstgeist in dem Menschen ist" und Dokumenten der Zeitgenossen Runge, CaruS, des Goethefreundes, und H, v. Kleist zu bringen. Die Bildwahl ist gut getroffen, könnte aber durch das „Greisswalder Hafenbild" (Kopenhagen, Kunstmuseum) durch die „Fregatte bei Abenddämmerung" (jetzt in Drcsoen) und der „Landschaft aus dem Riesengebirge" (National-Galcrie Berlin) — drei der allerschönsten Werke seiner Hand — bereichert werden. Erst dann wäre im Kleinen ein harmonisches Bild dieses innerlichen Künstlers, dieses „Erdlebenmälers", wie Carus ihn nennt, gegeben.
Beschränkt sich das Friedrich-Buch fast ganz auf Wiedergabe der Gemälde, so liegt von Hans Thoma in der verdienstvollen Reihe der Arnoldscheu graphischen Bücher nnnmehr auch ein wohlgelungener Band seiner Zeichnungen vor (Preis geb. mit 1t>9 Tafeln M. 126.—). Zeichnend stellt der junge 16jährige Thoma seine ersten künstlerischen Versuche an, der Zeichnung blieb er seiu ganzes langes Leben hindurch treu; sie ist dem heute 83jährigen wieder zum alleinigen Betätigungsfeld geworden. W, F. Storck. der Karlsruher Museumsleiter, traf in zweijähriger sichtender Arbeit die Auswahl aus einer schier unübersehbaren Zahl von Einzclstudien uud Skizzenbüchern. Landschaften ans dem heimatlichen Schwarzwaldtal, später von den Jtalienfahrten, aus der Umgebung Münchens uud Frankfurts, dazwischen Portraits können als ein in Bildern niedergelegtes Tagebuch gelten. Wie bei Menzel finden sich auch bei Thoma meisterliche Blätter besonders unter den Bildnissen nach der Mutter, seiner Schwester und später der eigenen Frau. Aus allem Zeichnen aber spricht, was er selbst einmal in die Worte faßte: „Schließlich ist es doch der klare Verstand, der das Höchste in der Kunst hervorbringt, aber der Verstand müßte so verständig' werden, daß er sich immer vom lebendigen Gefühl leiten läßt."
R. G.