Wirtschaftliche Ums ch a u
nicht zur Verfügung stellen, und deshalb bleibt die Heranziehung der Angelsachse» unumgänglich.
Wohin die Unbekümmertheit der Siegermächte ein unglückliches Volk treiben kann, das ergeben die trostlosen Zustände in Österreich. Der tüchtige Ministerpräsident Schober ist gestürzt worden, hat aber die Regierung wieder übernommen, was die beste Lösung der Krise darstellt. Der in der Not geschlossene Vertrag von Sana war freilich ein sehr bedenklicher Schritt, der Osterreich dem tschechischen Imperialismus ausliefern kann. Auch der Kredit, den England in Aussicht stellt, bedeutet keine dauernde Abhilfe: Ebenso wie die deutsche Ent- schädiguugSleistung nur in durchgreifender Weise, nicht auf kurze Frist, behandelt werden kann, vermag Osterreich allein der Anschluß an das Deutsche Reich zu helfen, der national wie wirtschaftlich naturnotwendig ist, nachdem die Entente selber das alte Osterreich zertrümmert und ein lebensunfähiges Staatsgebilde wie Deutsch-Österreich künstlich geschaffen hat. B, G. von Wesen do»r
Wirtschaftliche Umschau
Von Chr. Stöhr, Berlin
Ohne dabei zu vergessen, daß bei Beurteilung der kvniplizierten, von vielen Faktoren beeinflußten wirtschaftlichen Erscheinungen und Verhältnisse der „Absolutismus der Lösungen" ausgeschlossen ist, kann man doch im Hinblick auf die gegenwärtige wirtschaftliche Lage Deutschlands feststellen, daß sie ausschlaggebend von zwei nach entgegengesetzten Richtungen ziehenden Kräftegruppen bestimmt wird, deren eine sich als die französische, die andere als die anglo-amerikanische Auffassung von der künftigen Gestaltung der Welt darstellt. Während die angelsächsische Gruppe schon offiziell die Überzeugung vertritt, daß die unbefriedigende Wirtschaftslage aller Völker nur durch schnelle Wiederherstellung der früheren weltwirtschaftlichen Beziehungen von Land zu Land zu bannen ist, daß der Versailler Vertrag uud seine Ausführungsbestimmungen in den Teilen, welche sich als schwere Hemmungen der wirtschaftlichen Gesundung der besiegten Völker entgegenstellen, einer neuen Interpretation bedürfen, besteht die französische Gruppe aus anscheinend rein politischen Gründen gegenwärtig wieder starr auf den Friedensvertrag. Die Resultante dieser beiden Kräfte ist für die jeweilige Gestaltung der wirtschaftlichen Lage Deutschlands von so
einschneidender Bedeutung, daß die übrigen gestaltenden Faktoren (die deutsche Wirtschaftspolitik z. B>) an Einfluß ganz wesentlich verlieren müssen. Sie ist auch eine der Hauptbestimmungsgründe für den Preis des deutschen Geldes ini Auslande geworden, dessen wirtschaftliche Entstehungsursachen während des Krieges und später nur ganz schwach funktionieren konnten, und der längst das Produkt eines kaum zu entwirrenden Knäuels von Faktoren Politischer, finanzieller, wirtschaftlicher und psychologischer Art geworden ist, welche dauernd zugleich mitwirkend sich im Hinblick auf ihre Bedeutung oft und schnell umgruppieren, von denen aber die politischen die weitaus vornehmsten sind.
Die Ausführungen des englischen Professors Kehnes in seinem neuen Buche lievisicm c>k ttie 'l'reat^", nach denen in den „inneren Zirkeln" der Entente über die Unerfüllbarkeit des Londoner Ultimatums nicht der geringste Zweifel besteht, bekräftigen, was man in Deutschland längst wußte, daß nämlich eine deutsche Erklärung der völligen Zahlungsunfähigkeit besonders der französischen Politik wegen der damit gebotenen Gelegenheit zu neuen Maßnahmen nicht unsympathisch gewesen wäre. Es hat dem „rechtsdrehenden statischen Moment", der englischen Politik, welche