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Das amerikanische Credo :
(Fortsetzung aus Heft 4)
Seite
171
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W. Köhlers Jntelligenzprüfungen an Menschenaffen

Aufnahme, haben ab» noch incht hinlänglich bewiesen,, daß sie dieser Ehre würdig sind. Selbst in den untersten Regionen fehlt es nicht an diesem sozialen Stachel­draht. Auch die kümmerlichen Brüderschaften, die dauernd hausieren gehen, lim Mitglieder zu gewinnen und scheinbar jeden aufnehmen, der nicht gerade ein Ver­brechen begangen hat, sind auf ihre eigene, wunderliche Art wählerisch. Sicher­lich gibt es in dem stolzen, freien Amerika Hunderttausende, die Erben Washingtons und Jeffersons, - - deren Freiheit von einem unermeßlichen Ge­schützpark geschirmt ist, und die sich doch insgeheim grämen, weil ihnen die Freimaurerlogen iMiisons, Oäcl t^elloxvs, Km'ZKts ok p^ltnas) verschlossen sind.

In bezug auf die Weiblichkeit ist diese Sachci so unverkennbar, daß sie keines weiteren Kommentars bedarf. Die patriotischen Frauenvereine sind insgesamt Organisationen zur Erneuerung verloren gegangener Sonderrechte. Die Pluto- kratie hat das alle wohlhabeude uud gebildete Bürgertum (Zentr^) aus der wirk­lich führenden Stellung in der Gesellschaft verdrängt. Dieser Stand bietet uns in der Tat ein typisches Beispiel für die Unsicherheit der sozialen Rangordnung in Amerika, aber wenigstens verbleibt diesen Kreisen die Möglichkeit, eine Würde zu unterstreichen, deren die Geldaristokraten sich nicht rühmen und die sie sich auch nicht kaufen können. So tröstet sich die Frau des Grafschaftsrichters in Smithville oder die Tochter des Methodistenpastors in Janestown - weil sie- auf eine Loge in der Oper verzichten muß, in dein Gedanken (der danernd dnrch die Schleife im Knopfloch und die Kundgebungen ihres Vereins bekräftigt wird), daß sie einen vornehmeren, oder auf alle Fälle einen ehrbareren Großvater ihr eigen nennt, als die Familie Astvr, Vanderbilt nnd Gonld.

(Fortsetzung fvlgt)

W. Aöhlers Intelligenzprüfungen an Menschenaffen

von Prof. Dr. A. Groos-Tübingen

Äie Leistungen der experimentellen Psychologie werden in dem Lande, das sie geschaffen hat, manchmal recht abfällig beurteilt. Die hierin zum Ausdruck kommende Enttäuschung muß auf ungenügender Kenntnis der neueren Entwicklung des Faches beruhen. So kann es z. B. nicht bestritten werden, daß sich für die Tier- Psychologie ganz neue Aussichten eröffnet haben, seit man das Verhalten der Tiere in wachsendem Matze unter den Bedingungen des wissenschaftlichen Experimentes beobachtet. Es find besonders amerikanische Forscher gewesen, die zuerst diesen Weg beschritten. Hier soll über dieJntelligenzprüfungen an Anthropoiden" berichtet werden, die ein Deutscher, W. Köhler, 1914 in Teneriffa ausgeführt und 1917 in den Abhandlungen der Berliner Akademie der Wissenschaften (physikalisch-mathematische Klaffe) veröffentlicht hat.

Die Tiere, deren Intelligenz geprüft werden sollte, waren Schimpansen im jugendlichen Alter (3 bis 7 Jahre), wozu ein erwachsenes Weibchen von der Tschego-Abart (11 bis 12 Jahre) kam. Angesichts der zum Teil überraschenden intellektuellen Leistungen, die durch Köhlers Versuche festgestellt wurden, verdient es Beachtung, daß sich dieser Forscher trotzdem den berühmtenrechnenden" Pferden und Hunden gegenüber ablehnend verhält.Man sieht sich heutzutage gezwungen", sagt er (S. 161, Anm.),in einer ernsthaften Schrift festzustellen, daß die Schimpansen bisher z. B. keinerlei Hinneigung oder Begabung für das Studium von vierten Wurzeln oder von elliptischen Funktionen zeigen."

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