Von einem ehemaligen Diplomaten
Die Emanzipation persiens
Von einem ehemaligen Diplomaten
Anmerkung. Seit der Abfassung des nachstehenden Aufsatzes hat sich die Lage Persiens weiter gebessert. Die vom Kriegsminister Sir dar Sipah geleiteten Operationen in der Küstengegend des Schwarzen Meeres haben mit der Gefangennahme Mirza Kütschük Khans geendet. Die Persische Regierung hat nun alle K.Sfte frei gegen die kurdischen Banden SimkoS. der in der Gegend südlich vom Urmiasee auftritt. Ferner hat das Persische Parlament die Gewährung von Petroleumkonzessionen an die amerikanische Standard Oil Company in Nordpersien genehmigt. Die Einwände der von der Anglo Persian Oil Company abhängigen North Persian Oils Ltd. sind von der Teheraner Negierung als nicht stichhaltig zurückgewiesen worden. Damit ist zum ersten Male amerikanisches Kapital in größerem Ausmaße in Pcrfien interessiert worden.
ülit Wehmut verzeichnen die englischen Blätter die letzte Phase der Entwicklung in Persien, wo der neue britische Gesandte Sir Percy Loraine heute nur das endgültige Erlöschen des britischen Einflusses feststellen kann. Der letzte Überrest der britischen Berater mit Armitage Smith an der Spitze hat Teheran verlassen, und die südpersischen Schützen, aus denen die Engländer ein Gegenstück zu der unter russischem Einfluß stehenden Kosakenbrigade hatten machen wollen, werden aufgelöst. Denn die Perser weigern sich, die britischen Offiziere dieser Truppe weiter im Dienst zu behalten. England gönnt den Persern eine einigermaßen brauchbare militärische Macht nicht, um nämlich zu zeigen, daß Persien ohne britische Unterstützung die Ordnung im Innern nicht aufrecht zu erhalten vermag, sowie, weil es das Vorhandensein einer solchen Truppe offenbar fürchtet. Es hat sich deshalb geweigert, diese Streitkraft der Teheraner Regierung zu übergeben. Zweifellos hat die Entlassung der südpersischen Schützen die Negierung des Schah für einige Zeit der Machtmittel in Südpersien beraubt, aber diese Schwierigkeit ist überwunden worden. Englische Stimmen deuten ferner an, daß große Grundbesitzer und gewisse Stämme die Gelegenheit ergreifen könnten, ihre Unabhängigkeit von Teheran noch stärker zu betonen, als sie das schon heute zu tun Pflegen. Man wird wohl nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß von britischer Seite versucht werden wird, mit Elementen wie Ferman 'Fer m a unter der Hand zu wühlen. Auf die gleiche Absicht deutet auch das Interesse, das von englischer Seite plötzlich an der Lage der Nesto rianer in Persien kundgegeben wird. Bisher haben sich die Christen auf persischein. Boden, Nestorianer oder Armenier, niemals zu beschweren gehabt. Gerade die Armenier sind von der persischen Regierung öfters in .angesehenen Stellungen verwandt worden, man denke nur an den früheren Berliner Gesandten Ovhanes Khan oder an den Führer der Freiheitsbewegung gegen Muhammed Schah Jefrem. Bei einer Übersicht über das, was den Engländern in Persien überhaupt noch verblieben ist, kam die „Mornmg Post" zu dem Ergebnis, daß die
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