Paul Burg
Neue Romane
Bericht von Paul Burg
Gustav Frenssen, der Vater des vielumstrittenen „Jörn Uhl" hat uns nun einen neuen und sehr umfangreichen Bekenntnisroman, „Der Pastor von Poggsee" lG, Grote, Berlin) beschert, einen Pastorenroman, in dem Wohl sehr, sehr viel Eigenerleben des weiland dithmarscheu Pastors Frensssn steckt und der auch in all und jedem Zug, das Voll zu sehen, das Weib zu schildern, ganz und gar wieder ein echter, vollsafliger Frenssen ist. Darüber hinaus aber bekennt sich der Dichter froh als gocthescher Christ und frei als nationaldenlender Deutscher. — Das nachgelassene Nomanbuch „Ruepp" des uns emrissenen Ludwig Thoma iAlberl Langen, München) kann ich leider heute hier nur mit Namen anführen, weil es mir noch nicht vorliegt. Aber auf einen neuen Mann will ich dafür um so nachdrücklicher hinweisen; er he>tzt Georg M. P, Roose und ist ein bei uns in der Verban»ung lebender Vlame, ehemals belgischer Offizier, hat unter dem Titel „Unbesiegt! Der Roman deS deutschen Offiziers" (im Sternbücherverlag, Leipzig) einen vor Begeisterung flammenden Hymnus auf den deutschen Offizier geschrieben, einen Roman, der aus wahrem, echt kindhaftem Herz?n quoll und diesem so arg geschändeten, so hochbewährten deutschen Slande Balsam auf blutende Wunde sein wird, zumal er vom ehrlich bekennenden Ausländer und ehedem Gegner kommt. Roose ist ein lyrisch wie dramalisch gleichermaßen hochbedeutsames Talent und sein Roman ein brausender Sang, der uns um- rnuscht Wie Orgelton.
Gegengabe genug für die Frauen beut der gleiche, dem Sternbiicherverlag durch Personalunion verbundene Verlag Max Koch (Leipzig-Stö.) mit gleich drei Büchern von Arthur' B r au s e w e tt er. Das Roosesche Thema des deutschen Ostens verbreitert der reife Zeitroman „Die Badejungeu von Zoppot", ein Brausewetterbuch, dessen Titel sozusagen schon alles sagt und das ihm wohl den gleichen Erfolg bringen wird, wie einst das ostmärkische „Wer die Heimat liebt wie Du" (Westermann, Braunschweig). ES sprüht vom Leben unserer zerrissenen Zeit. Ferner liegt das Brausewettersche Buch der Lebensweisheit „Mehr LiebeI" grad im fünfzigsten Tausend (I) auf und ist aus diesem Anlaß vom Verlage außerordentlich geschmackvoll cmsaestattet sowie mit vielen seinkünstlerischsn Textzeichnungsn versehen.
Aber außerdem bringt der beliebte Hauptpastor an St. Marien zu Danzig endlich auch noch ein neues Buch Lebensweisheit unter dem Titel „Sonne ins Leben, Gedanken, die der Tag gebracht", vom Verlage in der gleichen opulenten Weife wie „Mehr Liebe" ausgestattet. Die Preise beginnen mit acht Mark beini broschierten und enden mit 120 Mark beim ganzledernen Exemplar, für jeden Geschmack und jede Börse zeitgemäß,
Brausewctters Zoppoter Badcjimgen ergänzt des glänzenden schweizerischen Erzählers Jakob Boßhnrt „Ein Rufer in der Wüste" (Grelhlein, Leipzig), auch ein Menschheitsspiegel unserer Zeit und zugleich ein Weckruf des reifen und berufenen Meisters von hoher Zinns. Er sieht die kommende Zeit und warnt eindringlich, Voßhart im Neigen der Grethleinschen Siiüvsizerautoren — das ist ein Ereignis und eine Errungenschaft! Das Ereignis des Grunowverlages (Leipzig) aber ist der Roman „Douglas Webb" von Reinhold Conrad Muschler, Man muß sich diesen neuen, eiwas Philiströs klingenden Dicbterncunsn gut merken, denn hier tritt ein zweiler Albrecht Schaeffer aus den Plan, schafft sich ein Könner vom Range Bonsels und Jakob Wassermanns Raum. Sleriiwarte Kairo . . . eine Säugerin, ein Musiker, modernste Menschen, mondüne Welt im prangenden Orient! — Ein wirklicher, reiner und adliger Dichter, der zugleich einen auch für den anspruchsvollsten und verwöhntesten Leser verblüffenden Roman von stärkstem Ausmaße schrieb! — Ereignis.
Ungewöhnlich und in jedem Belang bedeutend smd dann auch diese Romane: „Heinrich von Plate" von Eduard von der Hellen. Der bewährte Klassiker-Herausgeber des Coltaschen Verlages schrieb hier in reifem Alter aus sehr viel Eigenem den „Roman eines Privilegierlen", spielend in der bedeutsamen Zeit des Kurswechsels iin jungen Deutschen Reiche snno 1890, als BiSmnrck gehen mußte. Es ist doch wohl der Hof Carl Alexanders von Weimar, an dem der junge Held des Buches jene frappanten Erlebnisse hat? — Schade, daß nicht auch des Kaisers Wilhelm II. mündliche und briefliche (I) Bekenntnisse nn jenen so glänzend u».d dabei so gütig karikierten Serenissimus mit in den Ronum verflochten find, wie wir ja zeitgenössische Politik und Dichtung letztens schon in einem Cotia- romcm eng verflochten fanden!
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