R e g i e ru n g s b a u m e i st e r Franz Woas
Anders liegen die Dinge bei der Verbindung der Weser mit der Donau anstatt des Rheines. Die Weser ist — und bleibt — der einzige deutsche Strom, der uns durch die aufgelegte „Jnternationalisierung" nicht genommen wurde. Hier sind wir die Herren im Stromtal wie an der Mündung. Ist es nicht unsere Pflicht, nun in erster Reihe von diesem Vorteil Gebrauch zu machen? —
Damit brauchen die anderen Donau-Verbindungen durchaus nicht außer acht gelassen werden; man baue ruhig daran weiter; ja, die Strecke von der Donau bis Bamberg bildet sogar die Voraussetzung für die Durchführung der Weser-Donau-Verbindung; ist sie doch beiden Kanalzügen, dem nach der Donau uud der Weser, gemeinsam.
Von welcher Bedeutung für Deutschland aber gerade die Verbindung der Donan mit der Weser ist, ergibt sich leicht aus der beigefügten Karte. Diese ist mehr ein Gerippe als eine richtige Landkarte; die vielfachen Krümmungen, die in Wirklichkeit die vorhandenen oder künftigen Wasserstraßen machen, sind hier unterdrückt; nur das Bestehen des Wasserweges ist festgelegt, und zwar dnrch eine (dreifach ausgezogene) Linie. Die jütische Halbinsel ist dabei als unwesentlich für vorliegende Betrachtung fortgelassen.
Die Karte stellt teilweise Gegenwart, teilweise Zukunft dar: Nördlich von Münden-Kassel ist, lediglich mit der Ausnahme des Kanalstückes Hannover- Magdeburg, alles Gegenwart; d. h. alle die hier eingezeichneten Wasserstraßen bestehen. Dagegen ist südlich von Münden-Kassel alles Zukunft, d. h. der gesamte Wasserweg von hier bis zur Donau sowie von hier ans nach Osten wie nach Westen muß erst noch entsprechend ausgebaut werden; einmal muß die Donan selbst erst noch durchweg zur Großschiffahrtsstraße gemacht werden, und andermal muß sie nach Westen hin (durch den geplanten Bodenseekanal) mit dem Oberrhein sowie mit der Rhone in Verbindung gebracht werden. Freilich erscheint dies beides — namentlich das letztere — arge Zukunftsmusik; aber nur gemach! Die Pläne sind da; der Wille ist da — einmal kommt all das doch zur Ausführung. Dazu ist es viel zu wichtig für den Verkehr einer Reihe kraftvoll empor- strebender Staaten. Welch' großartige Zukunft, die damit vor uns aufsteigt — im Besonderen aber für unser Deutschland!
Selbst an zwei Meeren gelegen, sieht es sich einst angeschlossen an zwei weitere Meere. Alles hängt dann an dem Kanalstück Münden-Kassel-Bamberg- Donau, das durch das Herz Deutschlands geht; und darum müßte vor allein dafür gesorgt werden, daß dieses Stück des künftigen „Viermeerekanals" so bald als möglich zur Ausführung gelangt — allen anderen Kanalplänen vorausgehend! —