B ii ch t! r s ch a n
Vücherschau
Kunst
Anton Springer, Handbuch der Kunstgeschichte. Frühchristliche Kunst und Mittelalter. Elfis umgearbeitete Auflage, bearb, von I. Neuwirth, Stuttgart1921, Alfred Kröuer, Verlag, geb. M. 70,—. Es konnte nicht ausbleiben, daß die einander rasch folgenden Neubearbeitungen der mittelalterlichen Kunstgeschichte durch Neuwirth den ursprünglichen Text der Springerschen Kunstgeschichte mehr und mehr verändern. Namentlich die alichristliche und die orientalische Kunst ist in zunehmendem Grad ein neues Werk geworden. Auf diese Weise hält sich der Anspruch des beliebtesten kunst-ge schichtlichen Handbuchs demscher Zunge un- veraltend, und je mehr sich der alte Springer dem Fortschritt der Wissenschaft anpatzt, desto sicherer bewahrt er seine Stellung in jedem kunstsinnigen Haus.
Edwin Swift Balch uud Eugenia Macfar- lance Balch, Die bildenden Künste der Erde. Alleinberechtigte deutsche Ausgabe von Erwin Vilckmann. Würzburq 1921. Gebr. Memminger Verlagsbuchh. M. 30.—. Eine Übersicht vor allem über astatische, Primitive und neuzeitliche Kunst. Der Standpunkt, von dem aus der amerikanische Verfasser die europäische Kunst betrachtet, entspricht nicht unseren deutschen Matzstäben.
Otto Kümmel, Die Kunst Ostasiens. Mit 168 Tafeln usw. Bruno Casstrer, 1921. M. 70.—.
Dieser neueste Band der Cassirerschen „Kunst des Ostens" ist geradezu eine Offenbarung und darf als die köstlichste kuustge- schichtliche Erscheinung des Jahres gewürdigt Worden. Zum erstenmal tritt chinesisch- japanische Kunst in ganz großer Qualität zusammengestellt vor das deutsche Laienpublikum. Der verdienstvolle Berliner Museumsdirektor aber, der hier aus den Sammlungen und Tempeln des Ostens bildlich schöpft, durfte uns zugleich mit der Entdeckung überraschen, datz Deutschland ostasiatische Kunst besitzt, die sich ebenbürtig zwischen das Beste mischen darf. Da dasBerliuerAsiatische Museum immer noch der Eröffnung harrt, bedeutet Kümmels Buch tatsächlich — nach der AkademieauSstellung von 1S12 — die erste Zugänglichmachung der unter Bode errungenen Schätze, die uns jetzt an die Zeit deutscher Wellgeltung erinnern. Freuen wir uns dieses Geschenks einer reicheren Zeit an die uusrige, die es hoffentlich ausnützt und Ostasien, statt wie so häufig an der „Stapelware unserer Tee- gcschäste" an dein Kunstbestand beurteilen
Grenzboten I 1922
lernt, mit dessen Darbietung der entdeckungsfrohe Verlag sich selbst übertroffen hat.
Dr. Johannes Schinnrrer, Die Grundzüge der gotischen Baukunst. Zweite Auflage. Verlag N. Voigtländer, Leipzig. Preis geb. M. 8.—.
Das kleine, mit vielen Abbildungen und Tafeln ausgestattete Buch bietet eine ganz vortreffliche Einführung in den Stoff, dessen genauere Kenntnis keinem Gebildeten fehlen sollte.
H. Reiners und W. Ewald, Kunstdenkmäler zwischen Maas und Mosel. München, F. Bruckmann. 1921. Geb. M. 7ö.—. Dieses stattliche Quartwerk mit 260 schönen Abbildungen errweckt verschiedene, starke Empfindungen. Zunächst gehört eS in das Kapitel ^,Wir Barbaren". Zwei deutsche Kunstgelehrte durchforschem während des Krieges im Knmpfbereich der 6. Armee Von den Franzosen selbst halbvergessens mittelalterliche Bauschätze und retten sie für Wissenschaft und Kunstgenuß. Sodann aber eröffnet diese Entdeckungsfahrt in altes Trierer und Metzer Bischofsgebiet wichtigste Einblicke in geschichtliche und kunstgeschichtliche Zusammenhänge unserer alten Westmark. Hier steigt Lotha- ringien, das heißumstrittene deutfchfranzöstsche Grenzlnnd, als Vermittlerland mittelalterlicher Kirchentunst aus dem Grabe.
Werner WeiSvach, Der Barock als Kunst der Gegenreformation. Berlin, V. Casstrer, 1921. Geb. M. 80.—.
Seit Schmarsow, Riegl, Wölfflin hat die Kunstgeschichte viel über die stilistischen Eigenschaften des Barock geforscht und seinen Gegensatz zur Renaissance wesentlich als eine Angelegenheit formeller Entwicklung untersucht. Das neue Buch des Berliner Kunsthistorikers Weisbach sucht einen anderen Weg. Es geht vom Inhaltlichen der Kunst aus und zeigt, wie dieses die Form bedingt. Es zergliedert ausgezeichnet die seelische Haltung der Gegenreformation und erläutert, wie aus der Mischung des heroischen Ideals mit religiöS-elstatischer Erregung die großen Abwandlungen des Barockstils der katholischen Länder hervorgehen. Die wichtige Abhandlung ist bildlich entsprechend vornehm ausgestattet.
Franz Roh, holländische Malerei. 200 Nach- bilduugen mit geschichtlicher Einführung und Erläuterungen. 1.—16. Tausend. Jena, Diederichs, 1921. Halbl. M. S0.—, Ganzl. M. 76.—.
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