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Eine neue deutsche Währung?
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R c g i e r n n g s r a t Dr, Rudolf Dc> lberg

(Line neue deutsche Währung?

von Regierungsrat Dr. Rudolf Dalberg

Bemerkung der Schriftleitung: In folgendem geben wir einem der vielen Vorschläge Raum, die -mr Behebung der Valutaschwierigkeiten seit einiger Zeit gemacht werden. Der Vorschlag Dr. DalbergS zeichnet sich zweifellos durch Klarheit und Fach­kenntnis von den meisten andern aus, obwohl wir auch hier die Bedenken des schwedischen National- ökonomcn Cassel gegen alle derartigen Reformen und Pläne nicht unterdrücken können.

Zweifellos ist die Papiermark wegen ihrer täglich sehr erheblichen Schwankungen kein brauchbarer Wertmaßstab für unseren Außenhandel mehr. Kein Wunder, daß sich infolgedessen auf den verschiedenen Wirtschafts- und Rechtsgebieten eine Tendenz zur Abkehr von der Papiermark zeigt. Es ist aber auch ferner klar, daß es nicht gelingen wird, die Währungszerrüttung von innen her zum Beispiel durch eine Steuerpolitik zu beheben. Der hauptsächlichste Grund dafür ist der, daß unser Währungselend in der Hauptsache gar nicht innerwirtschaftliche Ursachen hat, vielmehr eine Folge der Reparationspolitik der Entente Deutschland gegen­über ist. Damit soll nicht die Bedeutung der Inflation durch die Notenpresse und den ungedeckten Reichsetat unterschätzt werden, sondern nur die primäre Bedeutung der ungeheuerlichen Devisenanforderungen der Entente ins rechte Licht gesetzt werden. Eine Stabilisierung der Valuta muß also vor allen Dingen von einer internationalen Finanzregelung vorbereitet werden.

Solange diese Stabilisierung aber nicht durchgeführt ist, muß die deutsche Wirtschaftspolitik wenigstens versuchen, die aus der Valutaschwankung sich er­gebenden Schäden nach Möglichkeit zu vermeiden. Der deutsche Außenhandel ist auf der ganzen Linie bereits zur Fakturierung in ausländische Währung über­gegangen. Aber gerade dies oder vielmehr die Fülle der diese Frage regelnden Einzelvorschriften der Jndustrieverbände bedeutet eine ungeheuerliche Erschwerung für den großen Exporthandel. Es ist also nötig, einheitlich diese ganze Frage zu lösen. Das ist natürlich nur möglich in der Festhaltung des erwähnten Grund­gedankens, der sich in der Fakturierung der ausländischen Währung schon bisher durchgesetzt hat. Man muß also nur einen kleinen Schritt auf dem einmal ein­geschlagenen Wege weitergehen und eine neue deutsche Rechnungseinheit einführen, d. h. eine stabile Geldeinheit, mit welcher der Außenhandel rechnen kann und auch zu rechnen hat. Dieser Vorschlag bedingt nicht eine neue Notenbank, denn

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