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Vücherschau
Erdkunde, Völkerkunde, Urgeschichte
Arthur Dix, Politische Geographie. Weltpolitisches Handbuch. 8. Erster, allgemeiner Teil. Mit 22 in den Text ge- druckien Abbildungen. 1921. München und Berlin. Verlag von N. Oldenbourg. Geh. M. 26.—. Das politische Verhältnis von Mensch und Boden, Menschheit und Erde, wie eS Ratzel oderKjellön studierten, findet bei Dlx ein durchaus selbständiges, gebauten- wie kenntnisreiches Lehrgebäude. In Wirtschafts-, Verkehrs-, Völker- und Kulturgeographie weiß Dir. eine ungemeine Menge modern gesehener Tatsachen auf knappe, lichte Form zu bringen; vor allem sucht er die groszen weltgeschichtlichen Linien herauszustellen. Mit dem Bestand geschichtlicher Entwicklung verbindet er die in die Zukunft weisenden Möglichkeiten, und ist insofern berechtigt, seinem Buch die aktivistische Aufgabe eines Handbuchs für Wellpolilik, zu deren Ve»> ständnis und Zielfindung, zu geben. Der zweite Teil, der noch mehr als dieser erste auf die Gegenwartslage eingestellt sein soll, Wird hoffentlich bald erscheinen können.
Dr. Richard Lehman,«, Dr. jur. h. c. Die Einführung in die erdkundliche Wissenschaft. „Wissenschaft und Bildung, Einzeldarstellungen aus allen Gebieten des Wissens. Bd. 164". Leipzig. 1921. Verlag von Quelle u. Meyer. Geb. M 9. -. Der frühere Münsterer Geograph bietet in diesem Bändchen den Niederschlag einer langenVorlesuilgstätigkeit, besonders berechnet auf die Bedürfnisse des angehenden Studenten, aber durch eine Gediegenheit, die auf Durchschnittskenntnisse Bedacht nimmt, auch zum ersten Selbststudium geeignet. Dr. E.Hinrichs, Mensch und Erde. „Schriften der Volkshochschule Bd. 1 Heft 12." Verlag Kabitzsch u. Mönnich. Univ. Verlagsbuchhandlung Würzburg. 1921. Preis drosch. M. 4.—. Die Unisetzung der geographischen Lehrsprache in eine für Volkshochschulen geeignete Form ist gelungen und damit dem Zwecke der preiswerten Sammlung Genüge getan. Prof. Hermann Klaatsch, Der Werdegang der Menschheit und die Entstehung der Kultur. Nach dem Tove des Verfassers herausgegeben von Dr. med. Adolf Heilborn. 436 Seiten Lexikonformat mit 386 Abbildungen, Bünltafeln und Karten. Bongu. Co.. Berlin. 1921. Geh.M.40—. geb. in Halbleinen M. 60.—, in Ganzleinen M. 100.—.
Die seltene Freude, ein wirklich große» und bleibendes Buch anzeigen zu können, wird dem Beurteiler von Klaatschs nachgelassenem Werk zuteil, welches die Lebensarbeit des zu früh verstorbenen, genialen Forschers krönt und künftiger Forschung neue Wege weist. Bon kundiger Hand mit (zum Teil etwas breit geratenen) Zusätzen herausgegeben, stellt das Buch zuerst die Zusammenhänge des Menschen mit dem Tierreich fest; der zweite Teil schildert die Anfänge der Kultur; der dritte Teil legt die prähistorischen Rassen Europas klar. Jeder Abschnitt ist klassisch, zugleich ein Muster populärer Darstellungskunst. Die Klaatsche Erkenntnis, daß der Mensch Primitiver ist als der Affe, womit vor 20 Jahren die in dem „Affenstammbaum" des Menschen festgefahrene Darwinsche und Häckelsche Theorie revolutioniert wurde, tritt jetzt schon als fertig abgeschlossene Lehre vor den Leser. Die Klaatsche Kulturgeschichte ist die größte Neuentdeckung, die uns dies nachgelassene Werk vermittelt.
Urgeschichte der Menschheit, Von M.HoerneS, 6. Aufl., besorgt von Prof. Dr. Friedrich Behn, Direktorial-Assistent amNöm.-Germ. Zentral-Museum zu Mainz und Privatdozent an der Technischen Hochschule zu Darmstadt. (Sammlung Göschen Nr. 42.) Vereinigung Wissenschaft!. Verleger Walter de Gruyter u. Co. Berlin W 10 und Leipzig. Preis M. 2.10, plus 100 Prozent Berlegerteuerungs-Zuschlag. Nach dem Tode des Verfassers hat Behn den „kleinen" Hoernes modernisiert, die Bronzezeit neu geschrieben, Siedlung, Hausbau usw. und das deutsche Fundmaterial mehr herangezogen. Schade nur, daß Behn bei dieser Arbeit von dem neuen Klaatsch noch keine Kenntnis hatte, der inzwischen eine völlige Umgestaltung des urgeschichtlichen Forschungsgebietes gebracht hat.
Prof. Dr. Felix Haase, Die religiöse Psyche des russtichen Volkes. „Osteuropa Institut in Breslau, Quellen und Studien fünfte Abteilung, Religionswissenschaft 2. Heft." Leipzig. 1921. B. G. Teubner. Geh. M. 24.-, geb. M. 30.—. Um den Russen zu verstehen, muß man ihn in seinem Glauben aufsuchen, und hierzu muß man die Welt des Orients, das Fühlen des noch halb mittelalterlichen Ostens kennen. Haase verfügt über diese Voraussetzungen. Aus eigenem Studium Nußlands wie aus
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