Eine Leuchte der Wahrheit
Eine Leuchte der Wahrheit!
Wenn »»in die Einleitung zur l-Zistor^ c>! tlis Voric "I'imss von Elmar Daris sVerlag der New York Times 1821), die von Herrn Ochs herrührt, liest, glaubt man sich einem Unternehmen gegenüber zu finden, das von der höchsten sittlichen Reinheit, die Unparteilichkeit, Gerechtigkeit, Vorurteilslosigkeit als einzige Leitmotive anerkennt, einzig und allein geleitet wird. ES scheint wirklich nur für Uiougntkul, pure — mmciecl peoplL bestimmt zu sein. Wenn man damit aber das Buch des Amerikaner» Upton Sinclair „Der Sündenlohn" vorgleicht, worin dieser genaue Kenner der einschlägigen Verhältnisse sagt, daß die amerikanische Presse, vor allem die großen Zeitungen, die die kleineren in vollständiger Abhängigkeit hielten, mit allen Formen des Kapitalismus durch das Jnseratenwesen und Bestechung aufs innigste verflochten seien, dann tritt man den von Moral triefenden Vorführungen des hier in Betracht kommenden „Historikers" doch sehr skeptisch gegenüber. Die amerikanische Presse scheut nach Sinclair il-lbst vor Mord und Gewalttaten, ungesetzlichen Handlungen aller Art, Terror gegenüber nicht folgsamen Behörden, Meineid und lügnerischen Verleumdungen nicht zurück. Alle diese Anklagen werden mit unwiderleg- lichen Beweisen belegt. Es wäre gut, wenn die deutsche Presse sich recht eingehend mit diesem Buche, das die Korruption und Unfreiheit in dem „freiesten Lande der Welt" so scharf beleuchtet, mehr als bisher beschäftigte.
Uns interessiert heute vor allem die Stellungnahme de» großen New Uorker Blattes im Weltkriege. Da wird unser Glauben au die Vorurteilslosigkeit, ja der common sense der Herausgeber sofort stark erschüttert. Ein Artikel vom 16. Dezeniber 1914, auf den sie so stolz zu sein scheinen, das; sie ihn in voller Länge abdrucke», ist überschrieben „Für das deutsche Volk Frieden und Freiheit" und fängt mit der Prophezeiung an: «Deutschland ist verdammt zur sichersten Niederlage." Unter der „moralischen Verurteilung der zivilisierten Welt" kann Deutschland diese Verdammnis aufhalten, wenn es vor dem Richterstuhl der Vernunft und der menschlichen Freiheit sich lossagt von der imperialen und militärischen Kaste, welche
es ins Verderben stürzt. Die denische Diplomatie zwang tatsächlich England und Rußland zum Bündnis, um Deutschland zu zügeln. „Die Welt kann nicht, will nicht Deutschland diesen Krieg gewinnen lassen. Mit seiner Beherrschung Europas würden Frieden und Sicherheit von der Erde ver- scbwinden. Vor einigen Monaten verstand die Welt Deutschland nur undeutlich, jetzt kennt sie es gründlich . . . Die Völker müssen wegen ihrer eigenen Sicherheit die allermcichtigste Struktur des Militarismus im Zentrum Europas, da» die Gefahrstelle der Welt, ihre größte Bedrohung geworden, ist vernichten. Nur durch die vollkommene Niederlage Deutschlands darf der Krieg geendet werden." Es wird dann den Deutschen der Rat gegeben, beizeiten dem Kriege ein Ende zu machen. Was hätte das genützt, fragen wir den Herausgeber, wenn nichts als die „vollkommene Niederlage Deutschlands" die Zivilisation retten konnte? Natürlich weiß der Verfasser genau, daß Amerika in den Krieg eintreten wird; so war es ihm leicht, da» Ende vorauszusehen. Welches Land kann 36 „Siegervölkern", die «lle für die Freiheit der Welt und den Untergang Deutschlands sittlich begeistert waren, widerstehen? Die „New York TimeS" hält an der Schuldlüge fest. Natürlich weiß Herr Elmer auch genau, daß das „deutsche Gewissen" nicht zu rechter Zeit erwacht ist, um den Kaiser an der Entfesselung des Krieges zu verhindern. Aus allen der „New Aork Times" zugehenden Dokumenten — die Aussagen im Suchom- linowprozeß, die belgischen Gesandtenberichte, werden natürlich nicht erwähnt, ebensowenig die Bücher und Aufsätze E. MorelS — habe es immer nur die Bestärkung der von Anfang an gehegten Meinung gewonnen. E» habe sich in Amerika auch kein Deutschfreund unter den Juristen gefunden, der es gewagt hätte, für Deutschlands Unschuld einzutreten.
Bezeichnend ist, daß sich das Blatt vor dem Senat zu verantworten hätte wegen der Frage, ob es von England Substdien erhielte. Diese Anklage zu entkräften, wurde ihm leicht. Wozu braucht eine Zeitung Unterstützung, die von dem durchaus im englischen Fahrwasser segelnden amerikanischen Kapitalismus gehalten wird? A. v. H.
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