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Unser Kriegserlebnis
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Gawan

Unser Ariegserlebnis

Von Gcrw-.ni

)^un sind es drei Jahre her, seitdem wir in großen Heerzügen die Straßen! durch die Ardennen und über die Eifel an den Rhein zogen; mit dem zwei­spaltigen Gefühl des Leids und der Hoffnung. Ein besiegtes, sich auflösendes Heer zurück in die zusammengebrochene Heimat, der jener entsetzliche Frieden bevorstand - und doch zurück in die Heimat, unsere Heimat, deren Zukunft auf uns zn nehmen, mochte sie schwer und ungewiß sein, wir die freudige Kraft in uns fühlten.

Nuu sind wir drei Jahre zurück und laugsam wächst diese uusere Generation, die am schwersten von allen den Krieg erlitt, heran zur verantwortlichen Arbeit. Gewiß, wir sind nnr der Rest einer Generation und wissen es selbst am besten, daß die Wertvollsten von uns draußen iu deu Gräbern liegen. Aber vielleicht blieb etwas von jenen bei uns, und in uns, irgend etwas, das mehr ist als ein Erinnern und das uns das Recht gibt, auch für sie mitzusprechen nnd zu wirken. Denn wir waren ihre Kameraden, sie waren uusere Freunde nnd wir legten sie, in die Zeltbahn gehüllt, in die braune fremde Lehmerde. Sie sind wir und wir dürfen uns mit ihnen identifizieren.

Drei Jahre sind wir wieder zurück ^ drei Jahre, in denen wir versucht haben, nicht mehr an den Krieg zu denken, sondern nur an unserer Ausbildung zu arbeiten. Und nun wachsen wir allmählich in die verantwortliche Arbeit hin­ein, bald sind wir die Jahrgänge, die die deutsche Gegenwart tragen: als werk­tätiges Volk, als Techniker, Künstler, Dichter, Beamte uud Staatsmänner ^ bis abermals neue, jüugere Generationen kommen und uns ablösen.

In den drei Jahren haben wir versucht, uns den Krieg aus dem Sinn zu schlagen, denn er störte uns zunächst in unserer Arbeit. Aber wir vergaßen ihn doch nicht. Uud wir wollen ihn auch nicht vergessen, im Gegenteil, wir Wolleu nun wieder an den Krieg, an uuser K r i e g s e r l e b n i s denken, jetzt, da drei Jahre Distanz dazwischen liegen. Und mehr, wir wollen dieses Kriegserlebnis lebendig und fruchtbar machen; dazu aber gehört, daß wir uns seiner wieder ganz bewußt werden.

Denn unsere Kriegsjahre sind uusere Kraftquelle; sie siud so sehr Bestand­teil unserer Jugend, daß wir sie gar nicht mehr hinwegdenkeu können, ohne uns selbst zu verleugnen und preiszugeben. Wer von uns möchte sie. missen, diese" Jahre der Mühsal, des Todes, des Abschieds, des Kampfes, der Pflicht; diese Jahre der Tat und des intensivsten Lebens!

Machen wir sie wieder lebendig, damit sie uus zur Zukunft helfen, und Mni geben, das Schicksal unseres Vaterlandes Deutschlands zn tragen und dieses deut--'

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