B ü chers ch a u
Bücherschau
Geschichte
Von der ausgezeichneten „Quellensammlung für den geschichtlichen Unterricht an höheren Schulen", die seit F. Kurzes Tod im Felde G. Lambeck und P. Rnhl- mann allein herausgeben (Leipzig, B. G. Teubner, das Heft M. 3.—), sind einige Hefte schon in zweiter Auflage erschienen, und zwar sowohl aus der ersten lim Klassengebrauch erprobten), wie aus der zweiten, für das Selbststudium gegebenen Reihe. Da dieses erstklassige Hilfsmittel zum Erwerb einer anschaulichen geschichtlichen Bildung aber noch langst nicht die fiir die Nation erwünschte Verbreitung genießt, sei hier auf einige, der wichtigsten Neuerscheinungen empfehlend hingewiesen. P. Rühl- mann führt in drei Heften die Staatsanschauungen seit der Antike vor und versteht es, aus dem ungeheuren Gebiet nicht nur die wichtigsten Autoren, sondern auch die Theorien durch Quellenstellen zu gestalten. F. Reinhold läßt den Großen Kurfürsten, R, Dintler das Zeitalter der Aufklärung zu Worte kommen, E. Ebers begleitet in zwei Heften das preußisch- deutsche Heer vom Großen Kurfürsten bis zum Weltkrieg, O. Dietrich die Geschichte Frankreichs von 1848 bis 19l1, Landwehr und Prägen au die Österreichs, Fr. Baethgen charakterisiert Belgien, R. F. Kaindl Polen, M. Wutte die Kämpfe um die deutsch-italienischen Grenzgebiete: diese Übersicht über die Darbietungen der Geschichte selbst durch die Vermittlung berufener Fachleute schließen wir mit der Auswahl, die F. Cauer aus den literarischen Denkmälern der sittlich-geistigen Wiedergeburt zu Anfang des 19. Jahrhunderts (in Deutschland) hergestellt hat.
Georg Webers Lehr- und Handbuch der Weltgeschichte. In 21. Auslage heraus, gegeben von Prof. Dr. A. Baloamus, 23. Auflage. Erster Band: Altertum, bearbeitet von Prof. Dr. E. Schwabe. Leipzig 1921, Wilhelm Engelmann. Geh. M. 7b.—, geb. M. 90.—. ' Zwischen dem großen (sechzehnvändigen) und dem kleinen (zweibändigen) „Weber", die beide durch L. Rieß betreut werden, erscheint, für viele Leser als „rechte Mitte" der vierbändige, den nach Baloamus Tode in dem uns vorliegenden ersten Band Professor Schwabe sehr sachkundig bearbeitet hat. Es steckt eine große Summe von Können und Leistung in der Modernisierung des
riesigen Tatsachengebietes, das von der Urgeschichte bis zum Ausgang des Altertums reicht.
F. Helmke, Das Werden und Vergehen der Völker. Zeitz 1921, Sis-Berlag. M. S.—. Das Schriftchen umspannt die gesamte Weltgeschichte unter dem Gesichtspunkt, Bitdung und Auflösung der Volksindividualitäten zu erklären. Eines so ungeheuren Stoffes wird der Verfasser nicht überall Herr. Er kann aber denen nützlich sein, die noch ohne eigenen weltgeschichtlichen Uberblick das Kommen und Gehen der Völker einmal in ganz großen Zügen kennen lernen wollen.
Otto Gildemeister, Judas' Werdegang in vier Jahrtausenden. 1. bis 3. Auflage. Verlag Theodor Weicher, Leipzig 1921. Geh. M. 15.—, geb. M. 18,-. Die volkstümliche Geschichte des Judentums vom Standpunkt des Antisemiten aus.
Dr. Freiherr v. Bissing, Das Griechentum und seine Weltmission. „Wissenschaft und Bildung, Einzeldarstellungen ans allen Gebieten des Wissens 1S9." Leipzig 1S2t, Quelle u. Meyer. Geb. M. 10.—. Hauptinhalt der Schrift ist nicht die griechische Geschichte, sondern die Geschichte des Helienentums, 0. h. die zweite, an Umfang so viel mächtigere Phase der Auswirkung griechischen Geistes unter der römischen Weltherrschaft. Es ist das Buch eines Gelehrten, aber kein gelehrtes Buch. Es erzählt nicht nur, es verficht auch eine These. Es will zeigen, wie geistige Weltgeltung ohne politische Macht vergeht und zerfällt. Im Jahre 1913 zuerst ausgedacht, ist so das Buch nach 1918 zu einem schmerzlichen Bekenntnis geworden.
Matthias Gelzer, Cäsar, der Politiker und Staatsmann. Stuttgart 1921, Deutsche Verlagsanstalt. Geb. M. 32.—. Ein führender Historiker unserer Tage nimmt die Aufgabe noch einmal auf, die Mommsen in seiner Art gelöst hatte; man findet bei Gelzer nicht Mommsens glanzreiche Einseitigkeit, dafür aber wohlabgewogene, trotz 'Vollständigkeit des Materials stets formvollendete Nüchternheit eines auf das Wesentliche und Sachliche der Politik eingestellten Blickes. Indem Gelzer daZ Allgemeingültige heraushebt, wird seine Dar- stellungs- und Betrachtungsweise auch für den Politiker, nicht nur den Historiker wertvoll.
4-5