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Maßgebliches und Unmaßgebliche?
zeigen, die an der Zertrümmerung des „Reichslandes" ebensogut beteiligt sind, wie an seiner Aufrichtung. Heute ist die Stunde dazu noch nicht gekommen. Noch wehrt sich das Reich I
Aber noch immer wissen taufende und abertausende in Altdeutschland nicht, was unten am Oberrhein für sie alle, Arbeiter und Unternehmer, Bürger und Bauern, an militärischen, politischen und vor allem an wirtschaftlichen Werten auf dem Spiele steht ! Einen kleinen Beitrag zu diesem Problem soll ein Büchlein geben, das soeben ebenfalls im Trübnerschen Verlag erscheint und die Frage beantworten will: „Was besitzt das Reich an Elsaß-Lothringen; was verliert es mit ihm?'") Jenseits aller Kritik am Gegenwärtigen und Vergangenen möchte es das Verständnis für die überaus wichtige Stellung wecken, die Elsaß und Lothringen heute in Deutschlands Volks- und Weltwirtschaft einnimmt. Findet dies Büchlein Verständnis und Leser, so wiegt es wohl ein Dutzend „Aufsätze" und „Briefe" auf, die ihrem Inhalt und Umfang nach doch immer nur über einzelne Personen und Zustände im Neichsland berichten können und damit immer in Gefahr sind, die Lust und Liebe im Reiche selbst für die Grenzmark des Westens zu ersticken. Überschrift und Mahnung für all unser Denken und Fühlen muß sie daher gerade jetzt mehr denn je sein: „Elsaß-Lothringen ist das Schicksalsland Deutschlands!"
26. Oktober 1918. p. w.
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Kaleidoskop. Man kann heute kaum mehr über Politische Dinge schreiben, es sei denn im Augenblick für den Augenblick. Was heute gilt, ist morgen zum alten Eisen geworfen. Heute rast das Rad der Geschichte. Die Schnelligkeit der Umdrehung ist so groß, daß wir die einzelnen Ereignisse kaum mehr sehen. Da da» Rad aus der gesetzmäßigen Kurve herausgeschleudert ist, überall Abhänge drohen und sich Lawinen des Gedankens und der Tat anballen können, die die AnfangS- bewegung vervielfachen und neue Richtungen bedingen müssen, so läßt sich nichts voraussagen, auch darüber nicht, wer schließlich unter den Rädern liegen wird.
Im Engpaß, Was ziemlich sicher ist, ist unsere eigene Lage. Unsere Bundesgenossen haben uns verlassen oder stehen im Begriffe dies zu tun, teils willenmäßig, teils weil die Ereignisse so auf sie selbst einwirken, daß ihr Auflösungsprozeß sie als Handelnde auf der Weltbühne momentan ausschaltet. Wir sind also jetzt ganz allein geblieben — in einem Engpasse, au» dem wir nicht mehr heraus
kommen, oder wenigstens zurzeit keinen Ausweg sehen gegenüber auf uns zustürmenden Gewalten, die «ns ans Leben wollen.'
Die Politik hört in solcher Lage so ziemlich auf. Wir haben wenig Figuren, mit denen wir operieren können. Es sind nur noch Gedankenoperationen, die wir machen können, und diese müssen wir sehr schnell machen, denn die Zeit drängt.
Militärische Bilanz. Wenn wir die Bilanz des Momentes ziehen, so sehen wir folgendes. Auf der militärischen Bühne sind wir so stark, als wir selbst den moralischen Mut haben, stark sein zu wollen. Der Kriegsminister hat im Reichstage gesagt: „DaS Heer ist nicht geschlagen, die Heimat ist nicht zusammengebrochen, überall sind Kräfte vorhanden, uns zu erfolgreichem Widerstand zu befähigen". Er ist deswegen heftig angegriffen worden. Man fürchtet, daß es wieder nicht zum Frieden kommen könnte. Das ist eine ungerechtfertigte Furcht; denn wie wir sehen, tut unsere Regierung alle Schritte, um energisch jedes Hindernis zum
P. Wentzcke, „Was ist Elsaß-Lothringen dein Reich?" Preis 0,80 M.