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Vlamen und Flaminganten
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Wandlungen

Eine Tatsache leuchtete doch über dem Lärm und Getöse dieser Tage, die Gewißheit, daß der Idealismus im flämischen Volke trotz allem noch nicht erstorben ist. Die Mitwirkung des Vlamentums ist da! Täglich zieht sie weitere Kreise, findet neue Kräfte bereit zu dem edlen Werk der Wiederaufrichtung eines zu Boden getretenen Volkstums. Wären es noch allein die Jungvlamen, so könnte das Werk leiden. Durch den Schein, als handle es sich in erster Linie um eine feindselige Gegenwirkung gegen seinen Staat, läßt sich heute noch mancher belgisch gerichtete Flamingant zurückhalten, dem die mit den Deutschen zusammen­arbeitenden Volksgenossen als Landes- und Hochverräter gelten. Doch oie Zahl derAktivisten" steigt unaufhaltsam unter den belgisch denkenden Flaminganten und damit auch die Zahl der Vlamen, die ein Zusammenarbeiten mit uns nicht scheuen. Daneben bleiben die Jungvlamen rüstig am Werk, das ihrer vorwärts­drängenden Kraft nicht entraten kann.

Aus diesem Zusammenwirken von Deutschen und Vlamen muß einmal dem Germanentum Heil ersprießen. Das Gezeter der Terroristen, die der in Le Havre ausgegebenenlateinischen" Parole blindlings folgen, läßt es erhoffen. Oder wird die unglückliche Wendung der Dinge nun alle diese verheißungsvollen Keime verkümmern lassen?

Wandlungen

ie innerpolitische Neuorientierung der Begriff kommt jetzt zu Ehren ist personeller und sachlicher Natur. Während unauf­haltsam die Vertreter des iuaoisrl, rs^ims im Reiche, in Preußen, im Reichsland, bald Wohl auch in den Einzelstaaten einer nach dem anderen das Feld räumen, mögen sie nun im persönlichen Kabinett, in militärischen Kommandostellen oder in der eigentlichen Verwaltung ihres Amtes gewaltet haben, sind auch gewisse Änderungen des geltenden Berfafsungsrechts erforderlich geworden, um dem neuen Geist seine Wirkungsmöglichkeit zu sichern.

Wir haben vor einer Woche dargelegt, daß es sich bei dem übergange zum neuen System um eine politische Notwendigkeit handelt, wie wir das vom gleichen Wahlrecht von Anfang an betonten.

In der Wahlrechtsfrage hat die konservative'Fraktion des Abgeordneten­hauses aus ähnlichen Erwägungen um die zwölfte Stunde nachgegeben. Es ist nicht zu verlangen, daß die Konservativen heute schon mit, der Parlameu- tarisierung sich abfinden sollen, aber schließlich wird ihnen auch hier nichts anderes übrig bleiben, wollen sie nicht m unfruchtbarer Opposition erstarren und aus dem Rahmen des Staatslebeus herausfallen. Darin bestand ja der bewunderungswürdige politische Instinkt der englischen Tories, sich zu gegebener Zeit den veränderten Bedingungen des v-erfaffungsrechtlichen Klimas anzupassen, was nicht ausschloß, daß man noch bis 1830 für das Kronrecht der freien Ministerernennung eingetreten ist. Die Zeichen der Zeit erkennen, das ist die große Kunst. Diese Zeichen künden den mit elementarer Sicherheit sich durchsetzenden Aufstieg des genossenschaftlichen Elements, der sich eben dem Stande der politischen Technik entsprechend nicht anders vollziehen kann, als durch eine Machtverstärkung des Parlaments, mag dieses Handwerkszeug auch noch so unvollkommen und fehlerhaft sein. Alle Argumente gegen die zutage liegenden Schwächen unserer Volksvertretungen in Aufbau und Wirksamkeit treffen nicht den Kern der Sache, der darin liegt, daß die Völker ihren