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Wie liest man die Bilanz einer Lebensversicherungsanstalt?
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Wie liest man die Bilanz einer Lebensversicherungs­anstalt?

o verbreitet die Erkenntnis von der wirtschaftlichen Notwendigkeit der Lebensversicherung heute in den gebildeten Kreisen auch ist, so mangelhaft ist noch immer ihre Bekanntschaft mit den statistischen Voraussetzungen und den, technischen Organismus dieser Ein­richtung. Die Lebensversicherungsanstalten haben häufig Grund, über die große Unkenntnis des Publikums in dieser Beziehung zu klagen. Wegen der Ablehnung mancher immer wiederholter Forderungen nämlich, die an die Anstalten gestellt werden, und die von ihnen schlechterdings nicht erfüllt werden können, entsteht bei vielen der Petenten eine Animosität gegen die Lebensversicherung überhaupt, da sie sehr leicht geneigt sind, die Ablehnung ihrer Forderung dem bösen Willen der Gesellschaften zur Last zu legen, während eine auch nur oberflächliche Kenntnis der Rechnungsgrundlagen der Lebens­versicherung hinreichen würde, die Unerfüllbarkeit der Gesuche und die Grund­losigkeit von Mißstimmungen zu erkennen.

Aber nicht allein aus diesem Grunde ist es ratsam, sich mit den Grund­lagen der Lebensversicherung zu beschäftigen. Es ist vielmehr für jedermann, der eine Versicherung abzuschließen gedenkt, von der größten Wichtigkeit, sich durch eigne Einsicht von der finanziellen Lage der Gesellschaften zu überzeugen, von ihren Garantien und von den Kosten der Versicherung. Vielfach trifft man auf die Anschauung, daß die Leistungen der Anstalten so ziemlich gleich seien, daß es also im großen und ganzeu gleich sei, wo man sich versichre. Jede Anstalt stelle sich begreiflicherweise als die vorteilhafteste hin, sodaß man keinen Grnnd habe, eine den übrigen vorzuziehn. Eine solche Gleichwertigkeit der Leistungen wäre ja an sich sehr erfreulich; tatsächlich besteht sie aber nicht. Vielmehr handelt es sich nicht selten um Unterschiede von mehreren tausend Mark schon dann, wenn man die Kosten für eine Versicherung von 10000 Mark bei den verschiednen Anstalten vergleicht. Das ist nuu vielen Interessenten wohl bekannt. Und manche lassen sich deshalb von den Anstalten Kosten­voranschläge aufstelleu, aus denen Hervorgehn soll, wieviel im ganzen die Ver­sicherung kosten wird, wenn die bisherigen Dividenden auf die schon geleisteten Einzahlungen in derselben Höhe auch zukünftig gewährt werden. Diese Kosten­berechnungen geben schon einen gewissen Anhaltspunkt. Entscheidend für die Wahl können sie aber schon deshalb nicht sein, weil die Dividenden, unter deren Voraussetzungen sie aufgestellt wurden, keine feststehenden Posten sind, auf die man sich jederzeit verlassen kann. Es kommt häufiger vor, als man annehmen sollte, daß diese Dividenden zu hoch bemessen werden, damit möglichst