Contribution 
Im alten Brüssel : (Fortsetzung). 4
Page
176
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

176

Maßgebliches und Unmaßgebliches

in der Schenkstube bleiben, fleckte die Arbeit etwa, die er im Puppenlazarett vor­zunehmen vorgab? Waren sie nicht früher immer allein fertig geworden, er und Fintje? Jetzt arbeitete auch Fintje nicht mehr mit dem alten Eifer, sie sah über ihre Arbeit weg nach dem Fremden und horchte mit geteilten, gierigen Lippen auf alle seine glatten Reden. Warum saß er hier und redete klug mit der Hexe? Nicht um der Arbeit willen, auch nicht um der Hexe alte Geschichten anzuhören, sicher nicht. Warum er dasaß und sich in Eifer redete und feurige Augen machte, das glaubte Oomke genau zu wissen. Und daß Fintje mit offenbarer Bewundrung auf ihn sah, preßte Oomke heimlich bei der Nacht bittre Zornestränen aus. Frei­lich, es war leicht zu begreifen, der Fremde war groß und schlank und in schönen Reden gewandt, wie ein richtiger Herr, er mußte ihr außerordentlich klug und begehrenswert erscheinen: denn die Mädchen sehen auss Äußere, sie erraten nicht, wie es im Innern eines Mannesherzens aussieht, und ahnen die Klugheit nicht, solange sie sich nicht in klingenden Worten offenbart.

Und Oomke zündete des Nachts seine Lampe wieder an und griff nach dem Bogen unter seinem Strohsack und schrieb und schrieb an seinem ersten Theater­stück, wobei die Tränen ihm auf den glühenden Backen trockneten.

(Fortsetzung folgt)

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Reichsspiegel.Indemnität" äWeils est, satirs-w non seribsikl Der Hauptschuldige am ganzen südwestafrikanischen Unheil, der Reichstag, verlangt Indemnität. Nicht etwa für sich beim deutschen Volke, das ihm nur zu viel zu verzeihen hat, sondern die Verbündeten Regierungen müssen um Indemnität bitten, weil sie ohne den Reichstag, vielleicht trotz dem Reichstag alle Mittel, die irgend geeignet erschienen, ergriffen haben, den Aufstand niederzuschlagen. Das heißt doch, den Konstitutionalismus durch den Parlamentarismus ertöten und parlamentarische Machtfragen an die Stelle der Landesinteressen setzen! Und doch darf man es dem Reichstage kaum übelnehmen. Er ist verhältnismäßig noch sehr jung, und es geht ihm in manchen Stücken wie dem Kleinstädter in der Großstadt, der sich dort nicht hinreichendestimiert" glaubt. Wenn man in England so Verfahren wollte, wo die Kolonialkriege eigentlich in Permanenz sind, so käme dort die Regierung aus dem Jndemnitätsbegehren gar nicht heraus. Die britische Regierung macht aber noch ganz andre Dinge ohne das Parlament und ohne den Formalismus der Indemnität. Man denke an die Bewegung in der englischen Flotte nach dem Zwischenfall von Hull! Ja ja,das Meer macht frei." Aber nicht nur die Völker und die Negierungen, sondern auch die Parlamente, diese namentlich frei von dem Parlamentsburenukratismus, der bei uns eine so große Rolle spielt und abermals beweist, daß der Deutsche ohne Bureaukratie trotz allem Zetern über sie nicht leben kann. Ist keine Staatsburecmkratie vorhanden, so hat er dafür die der Ge­meinde und der Selbstverwaltung, die der des Staats nichts nachgibt, sondern sie treulichst zu kopieren sncht; dem Regiernngsnpparat des Staats im ganzen aber setzt er selbstbewußt die Parlamentsbureaukratie gegenüber. Ein förmliches Wettlanfen: Bebel, Zentrum und Nationalliberale auch du, Brutus! um dieIndemnität," nicht einmal die Rechte mochte bei diesen: Wettlauf zurückbleiben, um nicht der Preisgabe von Volksrechten" geziehen zn werden. Weniger tragisch nahm Graf Bülow die Sache: Indemnität? Mit Vergnügen! So viel Sie haben wollen!

Dem ruhigen Beobachter drängt sich aber doch die Frage auf: Genügt es denn wirklich nicht für eine ernste, sachgemäße, nicht auf Sensation und auf Stimmen­fang gerichtete Behandlung der Geschäfte des Landes, wenn die Regierung den