von der Reichshauptstadt nach dein Riesengebirge dnrch die Luft 89
uns hervorgebracht: sie habe» die Überzeugung von dem starken Einflüsse der Phönizier auf die ältesten Griechen im allgemeinen und auf den oder die Verfasser der homerischen Gedichte im besondern gegen jeden Zweifel sicher gestellt, und sie haben unsre Ehrfurcht vor Homer — wir bleiben schon der einfachen Ausdrucksweise wegen gern bei der Einzahl — vertieft. Die Genauigkeit und gewissenhafte Sorgfalt seiner Beschreibungen haben wir ja immer bewundert, aber man mnß die Zergliederung solcher Beschreibungen, zum Beispiel der Schiffbrüche, bei Berard studieren, wenn man von dem Technisch-exakten des großen Gedichts den vollen Begriff bekommen will. Es könnte den Neuern nichts schaden, wenn sie an Homer lernten, was echter Realismus ist, nnd daß dichten nicht tönende aber leere Worte machen heißt.
Von der Reichshauptstadt nach dem Riesengebirge
durch die Lust
von Johannes poeschel
enn jemand zur Stärkung seiner Nerven eine mehrwöchige Seefahrt unternimmt, weun er Wintermonatc in Afrika zubringt oder in die Sommerfrische nach Spitzbergen geht, wer findet da heutzutage noch etwas Besondres darin? Hört man aber, daß jemand, ohne durch Beruf oder wissenschaftliche Forschungen dazu gedrängt zu werden, eine Luftreise macht, so ist mancher geneigt, darin eine moderne Art des Selbstmords zu sehen, oder man flüstert einander zu, er sei nicht ganz normal. Und das zu einer Zeit, wo der Automobilsport in Blüte steht, der kürzlich gnr nicht übel als ein Mittel zur Hebung der Sargindustrie besprochen wurde. Tatsächlich fordert dieser, ebenso wie der Bergsport, weit mehr Opfer als die heutige Luftschiffahrt mit ihrer so verbesserten Technik. Denn die Unglücksfälle, die durch die kühnen Versuche, das Problem des lenkbaren Luftschiffs zu lösen, veranlaßt werden, dürfen nicht ans die Rechnung der gewöhnlichen Ballonfahrt gesetzt werden.
Welches sind denn die Gefahren, wodurch eine Lnftreise noch immer so unheimlich erscheint? „Der Ballon könnte platzen!" Aber der ist ja nach unten zu iu dem schlauchartigen Füllansatz geöffnet, sodaß beim Steigen das Gas, wenn es sich unter dem Einflnß der Sonne und dem verminderten Luftdruck erwärmt und cmsdehnt, nach Bedarf entweichen kann, und die Ballonhülle ist nach Möglichkeit vor dem Zerreißen geschützt. Sie besteht jetzt meist aus zwei Baumwollstvfflagcu, von denen das Gewebe der einen diagonal zu dem der andern länft, während zwischen ihnen zur Dichtung eine Gummischicht angebracht ist. Einen Spirituskocher oder eine Zigarre darf man im Korbe natürlich nicht anzünden. Dafür sind die Eindrücke einer solchen Fahrt aber so überwältigend, daß auch dem Verwöhntesten der Verzicht auf ein warmes Mittagessen nicht schwer fällt, uud wer bei einer Dauerfahrt es dennoch