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Die Aussichten der Morogorobahn
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Die Aussichten der Morogorobahn

von m. von pirch

! it der Bewilligung der Morogorobahn ist die Kolonialverwaltung in ein neues und wohl das bisher wichtigste Stadium der Ent­wicklung von Deutsch-Ostafrika getreten. Das entscheidende Gewicht liegt hierbei nicht in der Eröffnung einer leistungsfähigen Verkehrs- ! aber überhaupt. Wären wir so glücklich, der Kolonie schon hiermit helfen zu können, so hätte die Bewilligung der Bahn nicht langjährige Kämpfe gekostet, und es wäre im Innern Ostafrikas schon heute ein Feld lohnender Tätigkeit für Kaufleute und Kolonisten vorhanden. Der wirkliche Wert der Eisen­bahn liegt auf einem andern Felde. Zweifellos ist dem Schutzgebiet durch ihren Bau eine letzte, dafür aber auch wirksame Handhabe geboten, sich nach langen und teuern Fehlschlägen aus eigner Kraft zu einer ertragreichen Kolonie zu entwickeln; dies aber nur dann, wenn die Bahn von allen Beteiligten als die zwingende Veranlassung anerkannt wird, mit aller Energie einen letzten Anlauf zum Aufschwung zu nehmen und folgerecht zur Ausnutzung dieser neuen Kon­junktur auf eine entsprechende Wirtschafts- und Erwerbsform überzugehn. Ein solcher Wechsel kann der Kolonie nicht nur eine Zukunft, sondern eine große Zukunft ermöglichen.

Es verlohnt sich wohl, an der Hand der Aussichten, die sich dem Bahn­unternehmen augenblicklich eröffnen, die Verhältnisse kurz zu beleuchten, die die Eisenbahngesellschaft vorfindet, und sie auf ihre Anpassungsfähigkeit an die neue Konjunktur zu prüfen.

Die Wege, die in einer tropischen Kolonie zu wirtschaftlichem Aufschwung führen können, sind abgesehen von der unberechenbaren Auffindung lohnender Mineralien Plantagcnbau, Ansiedlung von Europäern und Export von Landesprodukten. Jede dieser Erwerbsarten wird je nach ihrem Erfolg einen größern oder geringem Import zur Befriedigung der Bedürfnisse der Europäer wie von Bedarfsartikeln für die Eingebornen nach sich ziehn. Der Import wird also mit dem Gedeihen jeder kolonialen Erwerbstütigkeit steigen und fallen, am meisten aber wohl von der Erhöhung der Kaufkraft der Eingebornen durch Aus­fuhr von Landesprodukten abhängen. Jeder der drei genannten Erwerbszweige ist unter energischer Ausnutzung der gegebnen Verhältnisse in jahrelanger Tatig- Grenzboten I 1905 9