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Theodor Fontäne.
Wenn aber auch der poetische Nimbus, deu Schliemann um seiue Entdeckungen gewoben hat, uach und nach verschwinden muß, so bleibt doch der Kern seiner Leistungen im höchsten Grade wertvoll und anerkennenswert. Eine so berühmte, fast ein Jahrtausend hindurch von hervorragenden Männern des Altertums besuchte Tempelcmlcige aus historischer Zeit aufgedeckt zu haben, wäre eiu Ergebnis, dem nicht nur die Gegenwart, sondern auch alle künftigen Zeiten ihre Anerkennung zollen müßten. Mögen die Modalitäten des Schliemannschen Verfahrens noch so mangelhaft erscheinen, mögen seine Nachgrabungen mit vielen zwecklosen Bemühungen und Fehlgriffen verbunden, seine Publikationen mit Unzen auigkeiten, Phantasiegebilden und wissenschaftlich unbrauchbaren Angaben angefüllt sein, als materielles Ergebnis bleibt darum doch eine wissenschaftliche That ersten Ranges übrig.
Jahrzehnte lang hat man sich in theoretischen Erörterungen über die Frage gestritten, ob Troia auf Hissarlik zu suchen sei oder nicht. Schliemann hat die Frage gelöst, freilich in cmderm Sinne, als er ursprünglich beabsichtigte. Der Zweck der Schliemannschen Ausgrabungen war, zu beweisK, daß Troja auf Hissarlik gelegen habe; das Ergebnis derselben ist der Nachweis, daß es nicht daselbst lag. Ans diese Weise wird nicht selten, in der Wissenschaft wie im Leben, das Wahre und das Gute gefördert.
Wo mau Troia iu Wirklichkeit suchen müsse, ist bereits im Altertum von dem gelehrten Demetrios dargelegt worden: nämlich anderthalb Stunden östlich von Neu-Jlion bei dem Dorfe der Jlier. Es bleibt nach wie vor die Hauptaufgabe der modernen Forschung, die Stelle dieses Jlierdorfes mit Sicherheit nachzuweisen.
Frankfurt a. M. L. Brentano.
Theodor Fontane.
n der Anerkennung künstlerischer Naturen scheint ein geheimes Gesetz zu walteu, welches zur Zeit noch sehr unvollkommen erkannt ist. Noch niemand hat es unternehmen können, mit Sicherheit den Zeitpunkt zu bestimmen, zu welchem eiue gesunde und organisch sich entwickelnde Dichternatnr Wirkungen in größere Kreise ausüben muß, niemand die Widerstandsfähigkeit gemessen, welche in dem durchschnittlich gebildeten Publikum gegen die Befreundung mit einer nenen schöpferischen Individualität vorhanden ist. Denn der beständige Hunger nach dem Neuen im Stoff verbindet sich in seltsamer Weise mit der Antipathie gegen